Was Jungunternehmen von Albert Einstein lernen können: Drei wertvolle Gedanken für die Gegenwart - nubiz Newsletter vom 31.08.2026
- Alexander K. Osterberger
- 31. Aug.
- 6 Min. Lesezeit

Albert Einstein hat, soweit ich weiss, nie ein Startup gegründet. Er hat keine Pitch-Decks geschrieben, keine Conversion Rates optimiert und nie darüber nachgedacht, ob sein LinkedIn-Profil genügend Reichweite erzeugt. Und doch sind seine Gedanken zeitlos und wertvoll und können - oder sollten sogar - junge Unternehmer:innen auch heute inspirieren. Denn Albert Einstein beschäftigte sich sein Leben lang mit Fragen, die auch am Anfang eines Unternehmens entscheidend sind: Was ist wirklich wertvoll? Wie entsteht Neues? Was braucht es, wenn bestehendes Wissen nicht ausreicht? Mehr dazu im Leitartikel des nubiz Newsletters vom 31.8.2026. Daneben gibt es wie immer News aus der Community, Infos aus der nubiz Küche und eine Eventvorschau mit spannenden Veranstaltungen für Startups und KMU in der deutschsprachigen Schweiz.
Inhalt:
Leitartikel: Was Jungunternehmen von Albert Einstein lernen können
News aus der nubiz Community
News aus der nubiz Küche
Eventvorschau September 2026
Was Jungunternehmen von Albert Einstein lernen können
In diesem Artikel befasse ich mich mit drei Aussagen, die tatsächlich von Albert Einstein stammen und deren Kontext so interessant ist wie die Aussage selbst und deren Übertragbarkeit auf die Welt der jungen Unternehmerinnen und Unternehmer in der Schweiz. Sie handeln von Wert, von Vorstellungskraft und von Neugier.
Wert - Value
Einige Monate vor Einsteins Tod besuchte William Miller, Redakteur des LIFE Magazine, den Physiker in seinem Haus in Princeton. Miller wurde von seinem Sohn Pat sowie Professor William Hermanns begleitet. Der junge Pat suchte im Gespräch Orientierung für sein weiteres Leben und Einstein antwortete ihm unter anderem mit den Worten:
"Try not to become a man of success but rather try to become a man of value."
Frei übersetzt: Versuche nicht, ein erfolgreicher Mensch zu werden - versuche vielmehr, ein wertvoller Mensch zu werden.
Er erklärte auch, was er damit meinte: Als erfolgreich gelte häufig, wer mehr aus dem Leben heraushole, als er hineinstecke. Ein Mensch von Wert hingegen gebe mehr, als er empfange. Bitte denkt jetzt nicht gleich: "Ah, Ausgaben > Einnahmen - so ein Schwachsinn".
Millers Bericht erschien am 2. Mai 1955, wenige Wochen nach Einsteins Tod, im LIFE Magazine unter dem Titel "Death of a Genius: his fourth dimension, time, overtakes Einstein". Der Abschnitt trägt die Überschrift: "Old Man's Advice to Youth: Never Lose a Holy Curiosity".
Und was bedeutet das nun in meinen Augen für junge Unternehmen?
Es ist verführerisch, unternehmerischen Erfolg vor allem in Zahlen zu messen. Alle sprechen von Umsatz, Wachstum, Marktanteile, Finanzierung, Follower, usw. Erstrebenswert: Zahlen mit ganz vielen Nullen dahinter und ohne Punkt dazwischen.
Grundsätzlich nicht verkehrt, denn Unternehmen müssen wirtschaftlich funktionieren. Aber Einsteins Unterscheidung lenkt den Blick auf eine wichtigere Frage:
Welchen Wert schaffen wir eigentlich? Und hinter dieser Frage verstecken sich weitere Fragen wie: Welches Problem lösen wir? Welches Bedürfnis stillen wir? Für wen? Was wird für unsere Kundinnen und Kunden dadurch einfacher, besser oder angenehmer?
Wer auf diese Fragen überzeugende Antworten findet, schafft Wert und Vertrauen und daraus kann nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg entstehen, der wirklich etwas bewegt.
Vorstellungskraft - Imagination
1929 interviewte der Journalist George Sylvester Viereck Albert Einstein für die Saturday Evening Post. Das ausführliche Gespräch erschien am 26. Oktober 1929 unter dem Titel "What Life Means to Einstein".
Viereck fragte Einstein, wie seine Entdeckungen zustande gekommen seien? Durch Intuition oder durch Inspiration?
Einstein antwortete sinngemäss: durch beides. Manchmal fühle er, dass etwas richtig sei, bevor er es beweisen könne.
Darauf fragte Viereck, ob Einstein seiner Vorstellungskraft mehr vertraue als seinem Wissen. Einsteins Antwort wurde berühmt:
"Imagination is more important than knowledge. Knowledge is limited. Imagination encircles the world."
Auf Deutsch wird die Passage häufig mit "Phantasie ist wichtiger als Wissen. Wissen ist begrenzt, Phantasie aber umfasst die ganze Welt." wiedergegeben.
Der Kontext ist wichtig. Einstein sagte nicht: Wissen ist unnötig. Das wäre eine bemerkenswert seltsame Karriereempfehlung. Er sprach vielmehr darüber, wie Neues entsteht. Wissen beschreibt, was wir bereits kennen. Vorstellungskraft erlaubt uns, Möglichkeiten jenseits dieses Wissens zu sehen oder es anders zu verbinden.
Was bedeutet das nun für ein junges Unternehmen im Jahr 2026?
Ein bestehendes Unternehmen kann sich stark auf Erfahrung stützen. Ein junges Unternehmen besitzt davon naturgemäss wenig. Dafür hat es etwas anderes: die Fähigkeit, Dinge neu zu denken.
Fast jede interessante Geschäftsidee beginnt mit einer kleinen geistigen Grenzüberschreitung: Warum wird das eigentlich so gemacht? Was wäre, wenn man es anders machen würde? Warum dauert dieser Prozess 3 Tage? Warum brauchen wir so viele Formulare? Warum muss das ein Kunde selbst erledigen?
Hier wird Vorstellungskraft unternehmerisch wertvoll. Allerdings steckt im ursprünglichen Einstein-Interview noch eine zweite Lektion, die in der berühmten Kurzfassung gern verloren geht. Einstein vertraute seiner Intuition, aber wissenschaftliche Hypothesen mussten überprüft werden. Das ist eine ausgezeichnete Haltung für Jungunternehmer:innen: Vision ohne Überprüfung wird schnell Wunschdenken. Daten ohne Vorstellungskraft führen dagegen häufig nur zur Optimierung dessen, was bereits existiert. Junge Unternehmen brauchen beides. Sie brauchen den Mut, eine Vermutung über die Zukunft aufzustellen und die Disziplin, sie in der Gegenwart zu testen.
Die unternehmerische Version von Einsteins Gedanken könnte deshalb lauten:
Stell dir vor, was möglich wäre. Dann finde unter realen Bedingungen heraus, ob du recht hast.
Neugier - Curiosity
Die dritte Geschichte gefällt mir ebenfalls besonders gut. 1952 war Albert Einstein bereits Nobelpreisträger, wissenschaftliche Ikone und wurde oft als "Genie" betitelt.
Sein Biograf und Freund Carl Seelig stellte ihm eine für damalige Verhältnisse naheliegende Frage. Er wollte wissen, ob Einsteins wissenschaftliche Begabung von der väterlichen und seine musikalische Begabung von der mütterlichen Seite stamme.
Einstein antwortete am 11. März 1952 im damaligen Briefwechsel (heute SMS, WhatsApp oder Ähnliches, nur langsamer und mit Porto):
"Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig."
Der Brief ist dokumentiert. Die Frage Seeligs und Einsteins Antwort sind zudem in der Literatur über den Schweizer Schriftsteller und Einstein-Biografen Carl Seelig überliefert.
Natürlich darf man Einsteins Bescheidenheit nicht allzu wörtlich nehmen. Ein gewisses Talent lässt sich bei ihm kaum vollständig ausschliessen. Aber das macht seine Antwort umso interessanter.
Er stellt nicht die Begabung ins Zentrum. Er stellt die Neugier ins Zentrum.
Vielleicht ist Neugier eine der am meisten unterschätzten Fähigkeiten im Unternehmertum. Neugier sagt nämlich nicht: "Ich weiss, wie der Markt funktioniert." Sie fragt warum?, wie?, weshalb?, wie viele?, wie oft?, wo? oder zum Beispiel auch, wer benutzt das? wer braucht das? wer will das?. Eine ganz spannende Frage ist auch: "warum noch?".
In der Anfangsphase eines Unternehmens ist diese Haltung Gold wert und gemeinsam mit der Fähigkeit, Antworten zu finden, unbezahlbar.
Ich hoffe, diese Gedanken über Albert Einstein, über Wert, über Vorstellungskraft und über Neugierde sind für euch genauso inspirierend wie für mich selbst.
Was sind eure Gedanken dazu? Schreibt mir gerne eine Nachricht oder teilt eure Gedanken im Kommentar.
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Rückblick auf die nubiz weekly Beiträge vom August zum nachlesen:

Eventvorschau für September 2026
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Nun wünsche ich euch einen erfolgreichen September und freue mich auf spannende Kontakte!
Herzlich,
Alexander Osterberger-Barrett
nubiz - Coaching & Beratung


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