Selbstständigkeit? Der Wunsch ist da, aber bin ich bereit dafür?

Hast du auch diese Gedanken: Etwas Eigenes aufbauen. Mehr Freiheit. Eigene Entscheidungen. Eine Tätigkeit, die besser zu dir passt. Oder einfach der Wunsch, eigenständig etwas umzusetzen, das schon lange in deinem Kopf herumspukt.
Aber Selbstständigkeit klingt riskant und deshalb bist du noch nicht gestartet?
Da bist du garantiert nicht alleine. Denn der Schritt in die Selbstständigkeit fühlt sich für viele erst einmal ziemlich gross an. Dabei muss der erste Schritt überhaupt nicht radikal sein.
Du musst nicht morgen deine Kündigung einreichen, dein gesamtes Erspartes investieren und ein Lokal mieten. Eine Selbstständigkeit kann auch nebenberuflich entstehen. Du kannst eine Idee testen, erste Kunden gewinnen, Erfahrungen sammeln und Schritt für Schritt herausfinden, ob daraus tatsächlich etwas Tragfähiges entstehen kann.
Aber etwas solltest du beachten: Es macht nur Sinn, wenn du dein Projekt konsequent vorantreibst und dran bleibst. Eine Geschäftsidee entwickelt sich selten von alleine. Wer ihr keinen Raum gibt, wird irgendwann feststellen, dass es nur ein schöner Gedanke war.
Vielleicht lohnt sich vor dem ersten echten Schritt ein anderer:
Die ehrliche Frage, ob und in welchem Umfang du das Zeug zur Selbstständigkeit hast.
Dabei meine ich nicht einen Persönlichkeitstest, der dir ein simples "Ja" oder "Nein" ausspuckt, sondern eine ehrliche Standortbestimmung als Grundlage für echte nächste Schritte.
Die Standortbestimmung
1) Hast du ein klares Bild von dem, was du gerne erreichen willst?
Eine Vision beginnt dort, wo du dir bildhaft vorstellen kannst, wie dein künftiges Umfeld, deine Rolle und die Tätigkeit aussieht.
Was willst du anbieten? Für wen? Warum gerade dieses Angebot? Wie möchtest du arbeiten? Welche Rolle möchtest du selbst dabei einnehmen? Und vor allem: Wie fühlt sich dieses Leben in der Vorstellung für dich an?
Napoleon Hill hat in seinem Klassiker "Think and Grow Rich" folgenden Satz geprägt: "Whatever the mind can conceive and believe, it can achieve". Jetzt kann man darüber denken, was man will, aber für mich steckt da viel Wahrheit drin.
"Alles, was der Geist sich vorstellen und woran er glauben kann, kann er auch erreichen."
Ich bin überzeugt, dass eine gesunde eigene Überzeugung absolut notwendig ist, um Kopfkino mit Happy End in die Realität umzusetzen. Ich weiss aber auch, dass es auf dem Weg einige Hürden zu überwinden gilt und dass das Resultat zwar oftmals toll, aber eigentlich fast nie dem ursprünglichen Bild im Kopf entspricht. Gut so, denn der Weg ist letztendlich meiner Meinung nach auch viel wertvoller als das (Zwischen)-Resultat.
Natürlich ist Vorstellungskraft keine Erfolgsgarantie, aber womöglich ein Teil des Erfolgsgeheimnisses.
Deshalb mach dir dein eigenes Bild möglichst konkret. Je klarer du weisst, wohin du willst, desto leichter findest du den Weg.
2) Was treibt dich wirklich an?
Was motiviert dich wirklich, selbstständig zu werden? Mehr Freiheit? Unabhängigkeit? Geld? Etwas Eigenes schaffen? Mehr Sinn? Endlich dein eigener Chef sein?
Es gibt viele gute Gründe, aber nicht jeder Grund trägt dich gleich weit!
Wer sich von heute auf morgen 100 % in die Selbstständigkeit stürzt, merkt schnell: Der Preis der Freiheit wird mit Schweiss, Verantwortung, Unsicherheit und etlichen Entscheidungen bezahlt. Wenn die Motivation hauptsächlich darin besteht, dem ungeliebten Chef oder einem stressigen Job zu entkommen, kann die Realität schnell ernüchternd werden. In diesem Fall lohnt sich wohl eher ein schrittweises Vorgehen über die Teilselbstständigkeit.
Eine starke innere Motivation kann dagegen helfen, auch schwierige Phasen und Unsicherheit durchzustehen. Die Forschung zum Unternehmertum zeigt beispielsweise einen Zusammenhang zwischen unternehmerischer Selbstwirksamkeit, Leidenschaft und der Bereitschaft, bei Rückschlägen dranzubleiben. Wer stark an die eigene Handlungsfähigkeit glaubt und eine tiefe Begeisterung für sein Tun mitbringt, lässt sich von Misserfolgen oder Krisen nicht so leicht unterkriegen, sondern bleibt hartnäckig am Ball.
Die entscheidende Frage lautet also nicht: "Will ich selbstständig sein?" Sondern: "Warum will ich es wirklich und in welchem Umfang kann ich es durchziehen?"
3) Passt deine Persönlichkeit zur Selbstständigkeit?
Du erhältst kein "richtig" oder "falsch" in einem Persönlichkeitstest, aber du solltest dich schon kennen und bereit für einen ehrlichen Blick in den Spiegel sein.
Kannst du Entscheidungen treffen, auch wenn nicht alle Informationen vorliegen? Kommst du mit Unsicherheit zurecht? Wie verdaust du Rückschläge? Bleibst du dran, wenn etwas nicht sofort funktioniert? Kannst du Kritik annehmen? Bist du flexibel genug, deine Annahmen zu prüfen und wenn nötig dem Markt anzupassen? Wo sind deine Schwächen?
Nobody is perfect und so gibt es auch nicht den perfekten Unternehmer oder die perfekte Unternehmerin. Am nächsten kommt dem Ideal die Person, die sich am besten kennt und es versteht, eigene Lücken gekonnt zu schliessen und dort Hilfe einzuforern, wo es sie braucht.
Wichtige Fragen sind:
Was deckst du wirklich selbst ab? Was kannst du lernen? Wo brauchst du Unterstützung? Was lässt sich delegieren? Welche Partner brauchst du an deiner Seite?
Denn Selbstständigkeit bedeutet nicht, alles alleine zu können, sondern verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen, damit das Unternehmen funktioniert.
Auch hier kann man in einer Teilselbstständigkeit im Nebenberuf viel lernen, ohne grösste Risiken einzugehen.
4) Ist dein Umfeld bereit für deinen Weg?
Deine Selbstständigkeit betrifft kaum nur dich alleine. Vielleicht gibt es eine Partnerin oder einen Partner. Kinder. Familie. Verpflichtungen. Einen Freundeskreis. Eine Hypothek. Einen sicheren Arbeitsplatz, den man nicht einfach aufgeben möchte.
Und somit geht es nicht mehr nur um die Frage: "Kann ich das?" Sondern um: "Wie passt das in unser gemeinsames Leben?".
Eine nebenberufliche Selbstständigkeit kann eine hervorragende Möglichkeit sein, Risiken zu reduzieren und gleichzeitig Erfahrungen zu sammeln. Aber auch sie braucht Zeit. Und wenn du neben Beruf und Familie noch ein Unternehmen aufbauen möchtest, ist ein realistischer Blick auf deine verfügbaren Ressourcen und die Auswirkungen auf dein Umfeld entscheidend.
Sprich deshalb offen mit den Menschen, die dir wichtig sind.
Was bedeutet dein Vorhaben für die Beziehungen? Welche Unterstützung brauchst du? Welche Grenzen gibt es? Welche Lösung ist für alle vertretbar?
Das klingt wenig romantisch, ist aber ziemlich wichtig. Denn manchmal ist nicht das Scheitern eines Vorhabens das grösste Risiko. Manchmal sind es die Auswirkungen, die es auf dein Umfeld hat, das dir Stabilität gibt. Nicht nur finanziell, sondern vor allem auch emotional und sozial.
5) Und nun die harten Faktoren zum Schluss
So weit ging es um die richtige Einordnung für dich und dein Umfeld. Nun geht es um die Umsetzung in der Realität. Denn eine tolle Vision und grosse Motivation bezahlen noch keine Rechnungen. Und über Geld müssen wir eben auch sprechen.
In welchem Rahmen ist ein finanzielles Risiko tragbar? Wie viel Geld brauchst du für den Lebensunterhalt? Welche Reserven bestehen und ab wann brauchst du aus der Selbstständigkeit Einnahmen? Welche Investitionen sind notwendig?
Oftmals kann man eine Teilselbstständigkeit gut aus dem Einkommen aus der Anstellung quersubventionieren. Für Einzelunternehmen besteht auch die Möglichkeit für einen Bezug aus der Pensionskasse, aber hier sind natürlich die Folgen gut zu überdenken, denn es geht um deine/eure Vorsorge. Ausserdem ist dieser Weg nur möglich, wenn die Selbstständigkeit das Haupterwerbseinkommen bilden soll und somit erhöht sich das Risiko umso mehr.
Gerade in der Startphase ist Liquidität für ein neues Unternehmen oft ein kritischer Faktor. Bei Kleinunternehmen können finanzielle Engpässe besonders schnell zur Belastungsprobe werden.
Wie riskant ist der Weg und lohnt es sich, zunächst im kleinen Rahmen nebenberuflich zu starten? Wie gehe ich mit dem Risiko planerisch so um, dass es für mich und mein Umfeld vertretbar ist?
In diesem Zusammenhang stellt sich noch eine weitere entscheidende Frage! Hast du die Fähigkeiten, die der Markt fachlich verlangt und erfüllst du alle regulatorischen Bedingungen und Vorschriften, die es zur Ausführung braucht?
Neben der Kompetenz in deinem Kerngeschäft sind ausserdem zumindest gewisse Kenntnisse und Fähigkeiten in Verkauf, Marketing, Akquise, Finanzen, Organisation, Recht und je nachdem auch Führung erforderlich. Du musst nicht alles davon beherrschen, aber du solltest wissen, was dein Unternehmen braucht und welche Lücken es zu schliessen gilt.
Fazit - der erste Schritt ist kleiner, als du denkst
Vielleicht brummt dir der Schädel etwas nach dieser Lektüre. Aber du wirst vermutlich nie den Moment erreichen, in dem sämtliche Risiken ausgeschlossen werden können und alle Fragen beantwortet sind. Aber das gehört eben dazu.
Je mehr Mühe dir Unsicherheit bereitet, desto kleiner sollte dein erster Schritt sein. Aber du solltest ins Handeln kommen und Fortschritte erzielen, sonst fehlt dem Motor der Sprit im Sinne von fehlendem Fortschritt, der mit der Zeit die Motivation killt.
Das heisst, es lohnt sich mit einem gewissen Plan zu starten. Nicht, damit alles exakt so kommt, wie du es auf Papier geschrieben hast, sondern damit du vorwärts kommst und Fortschritte erzielst.
Gerade wer alleine startet, sollte sich ganz am Anfang einen Sparringpartner zur Seite holen. Die Aussensicht eines Profis, der den Gründungsweg, Finanzen, Strategien und Risiken der Selbstständigkeit kennt, kann Gold wert sein und grössere Kopfschmerzen verhindern. Vielleicht kennst du ja jemanden in deinem Umfeld und wenn nicht, dann biete ich dir sehr gerne meine Dienste an, die du ohne Risiko testen kannst.
Melde dich bei mir, wenn du deine Ideen hinsichtlich Realisierungsmöglichkeiten überprüfen lassen willst. Ich stehe dir sehr gerne zur Seite!
Herzlich,
Alexander Osterberger-Barrett
nubiz - Coaching & Beratung



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