
Die Schweiz gilt als eines der stabilsten Wirtschaftssysteme der Welt. Trotzdem zeigt die aktuellste Unternehmensdemografie des Bundesamts für Statistik: Nur 50.7 % der Unternehmen, die 2018 gegründet wurden, waren 2023 noch aktiv (Datenstand 1. Dezember 2025):

Wie man sieht, sind die Überlebensraten auch in den Vorjahren ungefähr im selben Bereich. Das bedeutet, jede zweite Firma verschwindet nach 5 Jahren. Oft leise, manchmal abrupt. Doch warum passiert das? Wir können sicherlich davon ausgehen, dass keines der gescheiterten Unternehmen mit diesem Resultat geplant hat. Und was können Gründer:innen und Jungunternehmen daraus lernen? Lässt sich die Überlebensrate nicht verbessern? Mit diesen Fragen befasst sich der aktuelle nubiz Artikel - Viel Spass bei der Lektüre.
Die harten Fakten
Die Zahlen sind eindeutig:
83.7 % überleben das erste Jahr, 70.3 % sind nach dem zweiten Jahr noch aktiv und nach 5 Jahren sind es noch 50.7 %.
Besonders gefährdet ist der Bereich Gastgewerbe & Beherbergung mit nur 38 % Überlebensrate nach 5 Jahren. Der stabilste Bereich ist Gesundheit & Soziales mit
63.1 % Überlebensrate im selben Zeitraum.
Solopreneure haben übrigens die niedrigste Üerlebensrate. Die Überlebenschancen steigen markant, sobald 2 oder mehr Beschäftigte im Unternehmen tätig sind (9+ %).
Im deutschsprachigen Raum schneiden Zürich (52.3 %) und die Nordwestschweiz (53.6 %) besser ab als die übrigen Regionen, die sich zwischen 48.7 % - 49.9 % einreihen.
Aber warum scheitern so viele Unternehmen?
Ich hatte einige starke Vermutungen aus eigener Erfahrung, habe aber für diesen Artikeln nach belastbaren Daten und Informationen gesucht. Das Ziel: Die Frage zu beantworten, warum ca. die Hälfte aller Unternehmen nach 5 Jahren scheitern.
Aus den Statistiken ist ersichtlich, dass die Überlebensraten über einen langen Zeitraum relativ konstant in den selben Bereichen liegen. Daraus lässt sich ableiten, dass es sich um Gründe handeln muss, die über lange Zeit bestand haben, sich wiederholen, aber scheinbar nicht einfach aus der Welt zu schaffen sind, denn sonst würden sich die Überlebensraten ja verbessern.
Gemäss einer Untersuchung des ZBW Leibniz-Informationszentrum für Wirtschaft, wurden die Ursachen für das Scheitern junger Unternehmen in den ersten fünf Jahren ihres Bestehens untersucht. Die Untersuchung ist schon ein paar Jahre her, allerdings gehe ich davon aus, dass sich die Ursachen seit 2010 kaum verändert haben. Die Untersuchung basiert auf tausenden Unternehmen in Deutschland und die Erkenntnisse lassen sich auch auf die Schweiz übertragen, wie andere Untersuchungen und Berichte im Inland dies nahe legen. Der ZBW Bericht befasst sich am präzisesten mit der zugrundeliegenden Fragestellung.
Das sind die 5 Hauptgründe für frühes scheitern
Fehlende Liquidität: Zu wenig Startkapital und vor allem zu wenig finanzielle Reserven für Rückschläge, Forderungsausfälle und schwächere Monate.
Falsche strategische Entscheidungen: Zu starke Abhängigkeit von einzelnen Kunden, zu enger Zielmarkt, zu kurzer Planungshorizont, Fehlinvestitionen, zu schnelles Wachstum oder nicht kostendeckende Preise.
Fehlende betriebswirtschaftliche Führung: Schwächen bei Controlling, Kostenplanung, Unternehmenssteuerrung und kaufmännischem Wissen.
Absatz- und Marktprobleme: Auftragsrückgänge, zu wenig Kunden, mangelnde Marktkenntnis, unpassendes Angebot oder zu schwaches Marketing.
Unerwartete Belastungen: Forderungsausfälle, steigende Kosten, Wettbewerbsdruck, Personalprobleme und andere Ereignisse. Besonders gefährlich wurden diese bei zu geringen finanziellen Reserven.
Ein Sonderfall sind Gründerteams: Bei mehr als einem Drittel der ehemals teamgeführten Unternehmen war Uneinigkeit in der Geschäftsführung ein wichtiger Krisenfaktor.
Die wichtigsten Erkenntnisse
Nicht die Geschäftsidee allein entscheidet. Rund 70 % der geschlossenen Unternehmen hatten zumindest zeitweise die Gewinnschwelle erreicht. Scheitern bedeutet also nicht automatisch, dass die ursprüngliche Idee schlecht war.
Interessant: Nur ca. 15 % aller Schliessungen junger Unternehmen erfolgen über ein Insolvenzverfahren. Ca. 40 % schliessen freiwillig aus persönlichen Gründen (z.B. Erwartungen werden nicht erfüllt oder Stress) und der Rest erfolgt durch eine geordnete wirtschaftliche Liquidation ohne Insolvenz.
Liquidität ist wichtiger als Gewinn. Ein Unternehmen kann grundsätzlich profitabel sein und trotzdem scheitern, wenn kurzfristig das Geld fehlt. Genau diese Unterkapitalisierung bezeichnet die Studie als den bedeutendsten Ursachenbereich.
Viele Probleme sind vermeidbar. Die Studie stellt fest, dass ein grosser Teil der Absatzprobleme mit Angebot, Kundenstruktur, Marktkenntnis und Marketing zusammenhängt und damit zumindest zeilweise im Einflussbereich des Unternehmens liegt.
Wachstum kann gefährlich werden. Besonders schnell wachsende Unternehmen können Flexibilität verlieren. Die insolvent gewordenen Unternehmen waren im Median deutlich grösser als andere geschlossene Unternehmen.
Krisen werden oft zu spät bekämpft. Zwischen den ersten Krisensignalen und dem Marktaustritt lagen im Median nur etwa drei Monate. Gleichzeitig scheiterten viele Gegenmassnahmen daran, dass das Geld für ihre Umsetzung fehlte.
Die wichtigsten Lehren für neue Unternehmen
Kurz gesagt:
Genügend Kapital einplanen - inklusive Sicherheitsreserve.
Nicht nur Umsatz planen, sondern jeden Monat Liquidität und Cashflow überwachen.
Preise konsequent kostendeckend kalkulieren.
Nicht von einzelnen Kunden abhängig werden.
Zielgruppe und Markt regelmässig überprüfen.
Wachstum kontrolliert statt um jeden Preis vorantreiben.
Frühzeitig Controlling und betriebswirtschaftliche Kompetenz aufbauen.
Krisensignale nicht schönreden, sondern sofort handeln.
Forderungsausfälle und unerwartete Kosten finanziell einkalkulieren.
Bei mehreren Gründern Rollen, Entscheidungsrechte und Konfliktregeln von Anfang an klären.
Der Bericht lässt sich als Quintessenz auf einen einfachen Satz verdichten:
Ein junges Unternehmen scheitert häufig nicht an einer einzigen schlechten Entscheidung, sondern daran, dass mehrere Schwächen gleichzeitig auftreten und das Unternehmen finanziell keine Luft mehr hat. Für mich ist klar, dass man dem mit einer geeigneten Organisation und wirksamen Controlling entgegenwirken kann.
Besonders auffällig ist die Kombination aus "zu wenig Liquidität + falsche strategische Entscheidungen + mangelndes Controlling". Genau dort entsteht laut Studie häufig die gefährliche Sprilale, aus der ein junges Unternehmen nicht mehr herauskommt.
Für Gründer:innen würde ich daraus z.B. folgende Faktoren als Frühwarnindikatoren überwachen:
Liquiditätsreichweite
Tatsächliche Deckungsbeiträge
Abhängigkeiten
Generell lohnt es sich, frühzeitig professionelle Hilfe zu suchen und eine externe Sicht als Entscheidungsgrundlage einzuholen.
Ich persönlich weiss, dass junge und kleine Unternehmen in der Regel kein grosses Budget für externe Beratung haben. Deshalb habe ich mein Angebot so eingerichet, dass junge und kleine Unternehmen von Anfang an optimal profitieren.
Als ehemaliger Bankberater für Unternehmen, langjähriger Analyst für kommerzielle Kreditanträge und eigener aktiver Zeit in Startup- und Fintech-Unternehmen kenne ich die Risiken und Stolpersteine in der Startphase und verfüge über breite Branchenkenntnisse mit grosser Erfahrung in der Finanz- und Businessplanung. Die im Bericht beschriebenen Risikofaktoren erstaunen mich somit nicht. Vielmehr motivieren sie mich, junge Unternehmer:innen in der Startphase zu unterstützen um existenzbedrohende Risiken besser zu steuern.
Wenn du Interesse an einer professionellen externen Sicht hast, dann kontaktiere mich. Auch bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.
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Herzlich,
Alexander Osterberger-Barrett
nubiz Coaching & Beratung
FYI Hier findest du den ganzen ZBW Bericht





