- Alexander K. Osterberger
- vor 6 Tagen
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Aktualisiert: vor 5 Tagen

Ich kenne viele Menschen, die diesen einen Satz im Kopf haben, den sie sich kaum auszusprechen trauen:
Ich glaube, ich könnte mehr aus meinem Leben machen, aber ich weiss nicht, ob ich das wirklich durchziehen kann.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl. Du hast eine Idee, eine Leidenschaft oder einfach den wachsenden Wunsch, nicht mehr für die Träume anderer zu arbeiten. Gleichzeitig bestehen Zweifel, Angst, Verantwortung und Verpflichtungen.
Als Businesscoach sage ich dir nicht, dass du den Sprung unbedingt wagen sollst. Das wäre unverantwortlich. Was ich dir sagen kann: Es gibt eine Reihe von Fragen, die du dir radikal ehrlich stellen musst. Die Selbstständigkeit ist weder das Paradies, das manche versprechen, noch das Harakiri, vor dem andere warnen. Sie ist eine bewusste Entscheidung - und zwar eine ganz persönliche und individuelle.
Warum willst du dich selbstständig machen?
Die ehrlichste Frage zuerst! Bevor wir über Businesspläne, Steuern oder Zielgruppen sprechen: Was treibt dich wirklich an? Es gibt gute und weniger gute Gründe für den Schritt in die Selbstständigkeit.
Zu den nicht so guten Gründen gehören:
Du bist unzufrieden, aber weisst noch nicht womit genau
Du hast Angst vor Stillstand, aber keine konkrete Vision
Du magst deinen Vorgesetzten nicht
Zu den tragfähigeren Gründen gehören:
Du willst Werte schaffen und hast eine klare Vorstellung, wie das aussehen soll
Du hast eine Vision von einem Unternehmen, das du verantwortungsvoll und mit dem nötigen Respekt aufbauen möchtest
Du bist bereit, für eine begrenzte Zeit weniger Sicherheit zu akzeptieren, im Tausch gegen mehr Sinnhaftigkeit und Selbstverwirklichung
Die Selbstständigkeit ist kein Ausweg. Sie ist ein Aufbruch. Der Unterschied ist fundamental!
Rahmenbedingungen: Was hast du & was brauchst du?
Bevor du planst, nimm eine klare Bestandesaufnahme vor:
Finanziell
Wie viele Monate kannst du ohne Einkommen überleben?
Was sind deine monatlichen Fixkosten im privaten Haushalt?
Was musst du verdienen um glücklich zu leben und ausreichend vorzusorgen?
Hast du Verpflichtungen, die einen konstanten Geldfluss verlangen und wer ist von dir und deinem Einkommen alles abhängig?
Persönlich
Wie hoch ist deine Risikobereitschaft und dein Durchhaltevermögen?
Trägt dein soziales Umfeld deine Entscheidung 100% mit und stützt es dich, auch wenn es hoprig wird?
Wie gehst du mit Unsicherheit und unstrukturierten Phasen um?
Die Fragen mögen banal klingen, aber viele Menschen müssen nach relativ kurzer Zeit aufgeben, weil entweder der finanzielle Runway falsch kalkuliert wurde oder sie mit der Unsicherheit schlicht nicht umgehen können.
Familie und Verantwortung
Wenn du in einer Partnerschaft lebst oder Kinder hast, ist die Selbstständigkeit keine Solo-Entscheidung. Ich empfehle: Führt das Gespräch explizit. Es braucht eine ehrliche Strategiesitzung mit den Menschen, die mit dir diese Reise mitgehen sollen.
Wie lange kann dein Vorhaben mitgetragen werden?
Was passiert, wenn es nach x Monaten noch nicht trägt?
Was wird von dir zu Hause erwartet und kannst du beides gewährleisten?
Was sind die gegenseitigen Erwartungen in der Aufbauphase?
Gibt es ein gemeinsames Verständnis von Erfolg und Misserfolg und können alle damit leben?
Die Familie oder dein Partner/deine Partnerin kann die grösste Stütze, aber auch die grösste Bremse sein (letzteres kommt oft zustande, wenn vorher eben nicht klar kommuniziert wurde).
Bist du geeignet dafür?
Eine unbequeme Frage und trotzdem eigentlich die wichtigste. Nicht jeder Mensch ist für die Selbstständigkeit gemacht. Das ist keine Schwäche, sondern Selbsterkenntnis.
Eigenschaften, die in der Selbstständigkeit entscheidend sind:
Selbstdisziplin
Frustrationstoleranz
Flexibilität
Akquisebereitschaft
Lernbereitschaft
Entscheidungsfreude
Durchhaltewille
Fähigkeit, Hilfe anzunehmen
Gleichzeitig gilt: All das lässt sich trainieren. Niemand startet perfekt. Die Frage ist: Bist du bereit, konsequent an dir zu arbeiten und hast du eine solide Basis?
Einstiegsbarrieren: Was kann dich aufhalten?
Viele angehenden Gründer:innen unterschätzen die administrativen und rechtlichen Hürden. Das sind keine K.O.-Kriterien, aber du solltest sie kennen:
Rechtsform/Gründung
Versicherungen und Beiträge, insbesondere auch Sozialversicherungen
Buchhaltungspflichten
Mehrwertsteuer
Plus weitere spezifische Bewilligungen, Lizenzen und Vorschriften, die je nach Gewerbe anfallen
Mein Rat: Lass dich beraten! Unwissen kann teuer werden.
Wie lange dauert es, bis du verdienst, was du brauchst?
Ein Punkt, der fast immer unterschätzt wird, denn alles dauert länger als gedacht und der Preis der Lernkurve wird in Zeit und Geld beglichen.
Wenn du frisch startest, verdienst du in der Regel in den ersten Monaten kaum etwas, ab 6 - 12 Monate generierst du erste nennenswerte Umsätze und ab ca. 1.5 Jahren näherst du dich bei klarer Positionierung und konsequenter Umsetzung den Umsatzzahlen die du brauchst. Echte Planbarkeit erreichst du erst nach ca. 2 Jahren. Das gilt natürlich nicht für alle, aber kann oft als Fausregel oder Richtwert verstanden werden. Auch die Kosten solltest du vorsichtig schätzen, also eher überbewerten und an alles denken, was anfällt. Better safe than sorry.
Das bedeutet: Plane konservativ und lerne schnell, um die Phase mit ungenügenden Erträgen möglichst rasch zu überbrücken.
Was dir beim Tempo hilft:
Ein gutes Netzwerk und erste Kunden vor dem offiziellen Start
Du triffst den Nerv und bedienst eine Zielgruppe optimal (Nische, Spezialisierung)
Ein effektiver Marketingplan (klappt nur, wenn die Positionierung stimmt)
Chancen und Risiken: Eine faire Betrachtung
Was du gewinnst:
Freiheit und Selbstbestimmung, wobei du abhängig bist von der Nachfrage
Mehr Erfüllung, da du direkt für dich selbst arbeitest
Mehr Sinn: den Unsinn lässt du hoffentlich weg, den du als Angestellte(r) manchmal enfach nicht ändern kannst
Den Stolz, etwas eigenes zu schaffen (dein Baby, sozusagen)
Was du riskierst:
Sicherheit: kein fixes Monatsgehalt, keine Arbeitgeberbeiträge für die Sozialversicherungen, keine bezahlten Ferien, etc.
Struktur: musst du dir selber schaffen
Soziale Einbettung: Isolation ist ein echtes Risiko
Netzwerk und Status: musst du dir erarbeiten
Wer die Risiken kennt, kann Massnahmen planen um sie zu vereiteln. Wissen ist Macht.
Direkt einsteigen oder als Side-Business?
Beides sind legitime Wege.
Beim Direkteinstieg kannst du in kurzer Zeit mehr lernen und erreichen. Dafür bist du dem vollen finanziellen Risiko und entsprechendem Druck ausgesetzt.
Beim Einstieg als Side-Business verlierst du etwas an Durchschlagskraft und brauchst länger für den Aufbau, dafür hast du aus dem Haupteinkommen mehr finanzielle Sicherheit.
Bedenke: Erst wenn du ca. 30-40 % deines benötigten Einkommens erzielst, ist der Entscheid für die Selbstständigkeit keine Wette mehr, sondern eine fundierte Entscheidung.
Die wichtigsten Grundlagen, die du kennen musst
Du musst kein Experte in allem sein. Aber du solltest neben deinen fundierten Produktkenntnissen ein grundlegendes Verständnis in folgenden Bereichen haben:
Akquise und Netzwerk: Wie kommst du an deine Kunden?
Preissetzung: Viele Gründer:innen starten zu günstig
Positionierung: Wer bist du, für wen, und wie hebst du dich ab?
Finanzen: Finanzplanung (insbesondere Liquiditätsplanung) und Controlling
Grösste Abhängigkeiten und Risiken kennen (damit du dich absichern kannst)
Den Markt kennen, in dem du aktiv bist (wichtige Kennzahlen inklusive)
Basis Know-how in rechtlichen Belangen (insbesondere Vertragsrecht)
Die allerwichtigste Frage
Am Ende des Tages ist die Selbstständigkeit keine technische Entscheidung. Sie ist eine Lebensentscheidung und entsprechend relevant ist die Frage:
Wirst du es bereuen, wenn du es nicht tust?
Bereit für den nächsten Schritt?
Wenn du nach dem Lesen dieses Artikels merkst, dass du ernsthaft nachdenkst, aber noch nicht genau weisst, wo du anfangen sollst, dann lade ich dich herzlich zu einem kostenlosen, unverbindlichen Erstgespräch ein:
Ruf einfach an 076 823 73 33 oder buche einen Online-Termin via Zoom
Das gilt auch für diejenigen unter euch, die bereits gestartet sind oder ein Unternehmen führen und sich verändern wollen.
Ich wünsche dir eine tolle Woche!
Bis bald,
Alexander Osterberger-Barrett
Dein Businesscoach





