Break-even: Die magische Grenze – wie viel Umsatz braucht es in der Schweiz wirklich, um Gewinne zu schreiben?
- Alexander K. Osterberger
- 19. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

KMU-Alltag: Man arbeitet 60 Stunden pro Woche und trotzdem bleibt Ende Monat kaum etwas hängen. Viele Unternehmer:innen verlassen sich auf ihr Bauchgefühl oder schätzen nur den zu erzielenden Umsatz, statt ein korrektes Bild zu zeichnen und daraus notwendige Schritte abzuleiten.
Die Kostenfalle
Gründerinnen und KMU in der Schweiz haben spezifische Kosten, die den Break-even nach hinten verschieben. Der Break-even ist der Punkt, bei dem die Einnahmen sämtliche Kosten decken. Es ist also äusserst wichtig, die Kosten korrekt zu kalkulieren:
Lohnnebenkosten: Nicht nur den Nettolohn rechnen. AHV, IV, ALV und vor allem die Pensionskasse (BVG) müssen inkl. Arbeitgeberbeiträge auch sauber einberechnet werden.
Versicherungen: Betriebshaftpflicht und Krankentaggelder (KTG) sind in der Schweiz oft unterschätzte Fixkosten.
Auch die einzusetzende Zeit muss korrekt berechnet werden.
Kostenwahrheit bedeutet, alle tatsächlich anfallenden Kosten vollständig zu berücksichtigen. Auch vermeintlich kleine Beträge, die aber immer wieder anfallen, summieren sich.
Ein Hinweis zu Steuern:
Auch wenn Steuern den Break-even nicht direkt beeinflussen, solltest du sie in deiner Liquiditätsplanung unbedingt berücksichtigen. Dazu gehören:
MWST-Rückstellungen: Die Mehrwertsteuer ist ein durchlaufender Posten, den du regelmässig abrechnen und abführen musst. Wer sie nicht sauber zurücklegt, rikiert Liquiditätsengpässe.
Gewinnsteuern (Bund und Kanton): Sobald dein Unternehmen Gewinn erzielt, fallen direkte Bundes- und Kantonssteuern an. Diese werden erst im Folgejahr fällig - deshalb lohnt es sich, frühzeitig Rückstellungen zu bilden.
Ein sauberer Steuerpuffer verhindert unangenehme Überraschungen und sorgt dafür, dass dein Unternehmen finanziell stabil bleibt.
Die Basis-Formel zur Berechnung des Break-even
Der Break-even liegt dort, wo der Deckungsbeitrag die Fixkosten komplett deckt.
Um den Break-even zu berechnen, musst du in deinem Unternehmen folgende Zahlen kennen:
Fixkosten (alle Kosten, die auch ohne Umsatztätigkeit anfallen)
Variable, direkte Kosten pro produzierter Einheit (Produkt, Arbeitsstunde)
Deckungsbeitrag: Gewinn nach Abzug der direkten Kosten (2.) pro produzierter Einheit bzw. verrechenbarer Stunde.

Die Branche ist im Grundschema egal. Das Prinzip ist jeweils sinngemäss anwendbar.
Beispiel:
Eine Beraterin in Zürich hat als 1-Frau-GmbH Fixkosten von CHF 9'000 pro Monat (inkl. Lohn und eigene Vorsorge). Sie verkauft eine Beratungsstunde für CHF 220. Die variablen Kosten sind sehr gering aufgrund ihrer Tätigkeit und belaufen sich im Schnitt nur auf CHF 10.00 pro Arbeitsstunde (Reisekosten, Druckerpatronen, Papier, Stifte).
*Eine Einheit ist je nach Branche verschieden. Wenn du statt pro Stunde zum Beispiel pro Produkt rechnen willst, dann zeigt dir der Break-even die Anzahl der zu verkaufenden Produkte.
Die Fixkosten setzen sich wie folgt zusammen:
CHF 7000 pro Monat brutto + Arbeitgeberbeiträge und Arbeitgeber-Sozialabgaben
CHF 2000 pro Monat restliche Fixkosten wie (Miete, Strom, Verwaltung, Marketing...)
Berechnung:
CHF 220 - CHF 10 = Deckungsbeitrag CHF 210 pro verrechenbare Stunde
CHF 9000 / CHF 210 = gerundet 43 Stunden pro Monat
Interpretation:
Ab der 44. Stunde pro Monat arbeitet die GmbH profitabel. Die Beraterin muss also im Durchschnitt 2 - 3 verrechenbare Stunden pro Arbeitstag leisten. Das klingt zunächst beruhigend, aber Vorsicht: Ferien, Krankheit und nicht verrechenbare Arbeitsstunden u.ä. sind da noch nicht berücksichtigt.
Hilfreiche Faustregeln zum Break-even
Dein Break-even sollte unter 70 % deiner Kapazität liegen, sonst ist dein Geschäftsmodell zu knapp kalkuliert.
Mindestens 30 - 40 % der Arbeitszeit sind nicht verrechenbar (Administration, Akquise, Offerten, interne Arbeiten)
Eine Preiserhöhung von 10 % führt meist zu einem Gewinnanstieg > 10 %:
Preis bisher CHF 10, Preis neu CHF 11. Verkauf 100 Stück, Kosten CHF 8.
Bisher: Ertrag CHF 1000 - Kosten CHF 800 = Gewinn CHF 200
Neu: Ertrag CHF 1100 - Kosten CHF 800 = Gewinn CHF 300
Preisanstieg 10 %, Gewinn um 66,67 % gesteigert
*bei gleichbleibenden Kosten, genügender Nachfrage sowie Preisakzeptanz
Was tun, wenn der Deckungsbeitrag nicht ausreicht?
Gute Frage! Wenn der Deckungsbeitrag nicht ausreicht und du mit vertretbarem Aufwand nicht auf einen grünen Zweig kommst, dann musst du definitiv über die Bücher.
Das sind die offensichtlichen Stellschrauben bei den Kosten:
Fixkosten senken (oft schwierig)
Preise erhöhen (der effektivste Hebel, aber oft nicht einfach durchsetzbar)
Variable Kosten optimieren (Effizienz steigern oder direkte Kosten reduzieren)
Weitere Möglichkeiten sind sehr individuell, aber existieren natürlich (z.B. zusätzliche Einnahmen durch Upselling oder Cross-Selling, Skalierung, Asset-Sharing, Service-Abos etc.). Oftmals führt ein Mix aus diversen Anpassungen zum gewünschten Ergebnis. Kontaktiere mich oder profitiere von meinem kostenlosen Angebot.
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Nun wünsche ich dir eine erfolgreiche Woche! Macht's gut und bis bald!
Euer Businesscoach
Alex Osterberger-Barrett






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