Finanzierung für KMU: Wie Banken ticken und was das für Unternehmen bedeutet - nubiz weekly 009
- Alexander K. Osterberger
- vor 2 Tagen
- 4 Min. Lesezeit

Für KMU lohnt es sich, einmal einen Blick hinter die Kulissen der Bank zu werfen. Denn bei kommerziellen Krediten geht es der Bank in erster Linie darum, Risiken zu managen und teure Kreditausfälle zu vermeiden. Nicht um Sympathie. Nicht um gute Ideen. Sondern um Stabilität.
Kommerzielle Finanzierungen sind für Banken zudem nur begrenzt rentabel. Dieser Umstand wird durch ihre volkswirtschaftliche Bedeutung und durch positive Effekte auf andere Bankgeschäfte ausgeglichen. Als ehemaliger Bankberater für Geschäftskunden weiss ich: Dieses Geschäft gehört aufgrund seiner Komplexität zu den anspruchsvolleren Bankdisziplinen. Alle wissen, dass es wichtig ist. Ein Standardrezept gibt es aber nicht. Dafür ist die Schweizer KMU-Landschaft zu vielfältig und zu individuell.
Ein gutes Gegenbeispiel ist die Hypothek für Privatkunden im Bereich Wohneigentum. Hier entscheiden in der Regel immer die gleichen Faktoren. Der Markt ist berechenbar, die Prozesse sind standardisiert und mit der Liegenschaft besteht eine werthaltige Sicherheit. Dieses Geschäft ist einfacher skalierbar, weniger zeitaufwendig und wirtschaftlich attraktiver für die Bank. Es liegt also in der Natur der Sache, dass solche Finanzierungen "bevorzugt" behandelt werden.
Was heisst das nun konkret für Unternehmerinnen und Unternehmer, die einen Finanzierungsantrag stellen wollen?
Was ich KMU rate, um erfolgreich eine Finanzierung zu sichern
Für KMU ist die Wahl der Bank von Anfang an entscheidend. Die Bank wird nicht nur für Finanzierungen benötigt, sondern auch für einen reibungslosen Zahlungsverkehr. Besteht einmal eine Bankbeziehung, ist ein Wechsel mit Aufwand verbunden und wird daher oft aufgeschoben.
Als Unternehmer denke ich jedoch strategisch. Wenn immer möglich, will ich einen direkten Ansprechpartner haben. Jemanden, den ich erreiche, wenn es darauf ankommt. Genau hier kann eine konstruktive und langfristige Partnerschaft entstehen.
Tipp 1: Sichere dir, wenn möglich, einen festen Ansprechpartner, der zu dir passt. So landest du nicht im Hotline-Chaos, wenn du einmal Unterstützung brauchst.
Und wie sieht es beim konkreten Kreditantrag aus?
Es hilft, wenn du einen gewissen Draht zu deinem Bankberater hast und er in etwa weiss, wie dein Unternehmen unterwegs ist. Das schafft Vertrauen und vereinfacht die Kommunikation.
Wichtig ist aber zu verstehen: Dein Ansprechpartner ist selten die Person, die den Kredit am Ende bewilligt. Umso wichtiger ist seine Rolle als interne Stimme für dein Unternehmen. Er muss dein Geschäft gegenüber der Entscheidungsinstanz sauber, nachvollziehbar und überzeugend vertreten können.
KMU kennen ihr eigenes operatives Geschäft naturgemäss sehr gut. Für einen Kreditantrag reicht das jedoch nicht aus. Chancen und Risiken müssen auch schriftlich verständlich und strukturiert dokumentiert werden.
Stell dir vor, du wärst selbst Geldgeber und würdest dein Unternehmen nicht kennen. Welche Informationen bräuchtest du, um einen fundierten Entscheid zu treffen? Wenn du diese Frage ehrlich beantwortest, wird schnell klar, welche Unterlagen und Informationen die Bank benötigt.
Tipp 2: Denke aus Sicht eines Geldgebers. Überlege dir, was es braucht, damit dein Antrag genehmigt wird und dir eine beträchtliche Summe zur Verfügung gestellt werden kann.
Warum Kreditanträge in der Praxis scheitern
Zu spät zur Bank: Liquiditätsengpässe sind kein guter Gesprächseinstieg.
Tipp 3: Plane langfristig und halte deine Bank regelmässig auf dem Laufenden. Banken mögen keine Überraschungen.
Unklare oder veraltete Zahlen: Die Bank muss deinen Cash-Flow beurteilen können.
Tipp 4: Ein Kredit muss grundsätzlich aus den laufenden Einnahmen des Unternehmens rückzahlbar sein. Belege dies mit möglichst aktuellen und überprüfbaren Zahlen. Dazu gehören Jahresabschlüsse, Informationen zum aktuellen Geschäftsgang sowie ein Blick in die Zukunft, etwa in Form von Budgets, Auftragsbüchern oder Informationen über wichtige Ereignisse. Was für einen neutralen Prüfer unklar erscheint, sollte transparent erklärt werden.
Fehlende Transparenz: Die Kreditzusage am Stammtisch gibt es nicht mehr.
Tipp 5: Dokumentiere für die Bank so klar und strukturiert wie möglich. Erleichtere ihr die Prüfung, indem du Unterlagen sauber aufbereitest und logisch gliederst. Eine offene und transparente Haltung wird in der Regel belohnt.
Kenne die wichtigsten Einflussgrössen für dein eigenes Geschäft!
Tipp 6: Welche Faktoren treiben den Erfolg deines Unternehmens? Und wie stellst du sicher, dass daraus keine negativen Konsequenzen entstehen? Neben grundlegenden Themen wie nachhaltig ausreichenden Umsätzen, gesicherter Liquidität und einer angemessenen Eigenkapitaldecke sind auch individuelle Treiber entscheidend. Dazu zählen Branche, unternehmensspezifische Besonderheiten und Marktveränderungen. Informiere die Bank darüber, was für dein Geschäft wirklich relevant ist und wie du intern damit umgehst.
Emotion statt Logik: Rückfragen und kritische Haltung nicht persönlich nehmen.
Tipp 7: Beim eigenen Unternehmen wird man schnell emotional. Verständlich, denn man hat viel investiert, um dort zu stehen, wo man heute ist. Wird dieses Engagement hinterfragt, fühlt sich das rasch persönlich an. Hilfreich ist hier Reframing. Sieh kritische Fragen als Chance zur Verbesserung. Sind gewisse Punkte sachlich berechtigt oder einfach noch nicht verständlich dokumentiert? Genau daraus entstehen konstruktive Lösungen und bessere Gespräche auf Augenhöhe.
Ich hoffe, diese Hinweise helfen dir beim nächsten Finanzierungsantrag weiter. Für individuelle Fragen stehe ich dir gerne zur Verfügung: nubiz.ch
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Ich wünsche dir eine erfolgreiche Woche! Bis zum nächsten Mal!
Herzlich
Alexander Osterberger
Dein Businesscoach






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