Einzelfirma, GmbH oder AG gründen in der Schweiz - das musst du wissen!
- Alexander K. Osterberger
- 9. Juli
- 5 Min. Lesezeit

In der Schweiz wird gegründet! Und wie! 2025 wurden 55'654 Firmen neu ins Handelsregister eingetragen. Das ist ein Allzeitrekord. Davon sind ca. 90 % Einzelfirmen, GmbHs oder AGs. Die restlichen 10 % werden von anderen Rechtsformen abgedeckt. Da Einzelfirmen erst ab CHF 100'000 ins Handelsregister eingetragen werden müssen, werden jährlich tatsächlich weit mehr Unternehmen gegründet, als im Handelsregister (zefix.ch) ersichtlich. Aber wie gründet man eigentlich und was gilt es zu beachten? Hier erfährst du mehr.
Einleitung
Wenn du deine Geschäftsidee konkretisieren willst, dann landest du bald einmal beim Thema Rechtsform. Du hast ein Konzept und vielleicht schon einen passenden Namen im Kopf und kannst es kaum erwarten, richtig loszulegen. Doch bevor erste Aufträge ausgeführt werden, wartet eine wichtige Frage auf dich: Welche Rechtsform soll dein Unternehmen haben? Keine Sorge. Die Wahl ist weniger kompliziert, als sie auf den ersten Blick wirkt.
Im Grunde geht es um ein paar zentrale Fragen:
Wie viel Risiko willst du privat tragen?
Wie wichtig ist der Schutz deiner Identität?
Wie viel Startkapital steht dir zur Verfügung?
Gründest du alleine oder im Team?
Wie soll deine Unternehmung wahrgenommen werden?
Wie wichtig sind Steuern, Sozialversicherungen und deine persönliche Vorsorge?
Daneben spielen individuell natürlich weitere Faktoren eine Rolle. Dazu gleich mehr in den Steckbriefen der einzelnen Rechtsformen.
Steckbrief Einzelfirma
Die Einzelfirma ist der unkomplizierte Klassiker für den Einstieg in die Selbstständigkeit. Wer alleine startet und möglichst schnell und flexibel loslegen möchte, findet hier den einfachsten Weg:
Du gründest die Firma, indem du einfach loslegst.
Es ist kein Mindestkapital erforderlich.
Du haftest persönlich und unbeschränkt mit deinem Privatvermögen für die Geschäftsverbindlichkeiten.
Ein Handelsregistereintrag ist erst ab einem Jahresumsatz von CHF 100'000 obligatorisch, freiwillig aber auch vorher möglich.
Ab CHF 100'000 Umsatz wird die Firma übrigens auch mehrwertsteuerpflichtig (MwSt).
In der Regel reicht eine einfache Buchhaltung ("Milchbüechli mit Belegen"). Eine doppelte Buchhaltung ist nach OR erst ab einem Umsatz von CHF 500'000 erforderlich. Ich empfehle jedoch, spätestens ab einem Umsatz von CHF 100'000 aus praktischen Gründen auf die doppelte Buchhaltung umzustellen.
So läuft die Gründung ab
Geschäftstätigkeit aufnehmen.
Anmeldung als Selbstständigerwerbende(r) bei der AHV.
Falls nötig, Eintrag im Handelsregister und Anmeldung für die MwSt.
Versicherungen und Vorsorge
Mit der Selbstständigkeit bist du für viele Absicherungen selbst verantwortlich. AHV, IV und EO werden mit der Anmeldung bei der AHV eingerichtet. Eine berufliche Vorsorge (Pensionskasse) oder eine Unfallversicherung sind nicht automatisch geregelt und müssen also von dir individuell abgesichert werden. Daneben müssen weitere Versicherungsleistungen abgesichert werden, je nach dem Einsatzgebiet deines Unternehmens, die unabhängig von deiner Rechtsform anfallen.
Steuern
Geschäftsgewinn und Privatvermögen werden gemeinsam über deine private Steuererklärung versteuert.
Eignung
Die Einzelfirma eignet sich für Freelancer, BeraterInnen, Handwerksbetriebe und Dienstleistende mit überschaubarem Risiko und geringer Komplexität.
Achtung:
Das Thema Scheinselbstständigkeit ist wichtig, wenn man grössere oder wiederkehrende Aufträge annehmen will. Je nachdem wird das dann von der AHV als verdeckte Anstellung taxiert. Viele gründen hier vorsorglich eine GmbH, womit das Thema als juristische Person vom Tisch ist und keine grösseren Diskussionen mit möglichen Auftraggebern bestehen. Ich selbst agiere auch als Einzelfirma und unterschreibe hier bei grösseren Aufträgen eine Erklärung als Beweis für meine wirtschaftliche Unabhängigkeit. Funktioniert auch, ist aber ein Painpoint.
Grundsätzlich wirken nicht nur deshalb Rechtsformen wie AG und GmbH immer etwas professioneller, sondern auch weil sie grössere strukturelle und organisatorische Vorgaben haben. Dafür ist man als Einzelfirma flexibler (small and quick).
Vor der Gründung überlegen
Kannst du das unternehmerische Risiko auch privat tragen? Hast du deine persönliche Vorsorge bereits mitgedacht? Wie soll dein Unernehmen am Markt wahrgenommen werden?
Steckbrief GmbH
Die GmbH ist eine sehr beliebte Rechtsform für kleine und mittlere Unternehmen. Sie verbindet einen guten Haftungsschutz mit einer überschaubaren Organisation.
Die wichtigsten Eigenschaften
Mindestkapital CHF 20'000 (Bar oder als Sachwerte)
Für eine oder mehrere Personen möglich
Die GmbH ist eine eigene juristische Rechtsperson
Die Haftung ist grundsätzlich auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt
Der Eintrag ins Handelsregister ist obligatorisch
So läuft die Gründung ab
Bei der Bank ein Kapitaleinzahlungskonto eröffnen (ausser bei Sacheinlage)
Stammkapital einzahlen (ausser bei Sacheinlage)
Statuten erstellen
Öffentliche Beurkundung beim Notar
Handelsregistereintrag
Anmeldung bei Sozialversicherungen und falls nötig bei der Mehrwertsteuer
Tipp: Es gibt mittlerweile gute Services, die kostengünstigere Online-Gründungen anbieten - also sozusagen bequem vom Sofa aus. Sofern keine Unklarheiten bestehen und keine weiteren Abklärungen beim Notar nötig sind, ist dies eine sehr empfehlenswerte und bequeme Variante.
Zum Beispiel:
Versicherungen und Vorsorge
Als Geschäftsführerin oder Geschäftsführer bist du in der Regel bei deiner GmbH angestellt. Dadurch gelten die entsprechenden Regelungen für AHV, Pensionskasse und Unfallversicherung.
Steuern
Die GmbH bezahlt Gewinn- und Kapitalsteuern. Zusätzlich werden privat Lohn und Dividenden besteuert.
Geeignet für
Kleine und mittlere Unternehmen mit etwas höherem Geschäftsrisiko oder mehreren Beteiligten in einer einfachen Struktur. Beachte, dass die Gesellschafter im Handelsregister öffentlich sichtbar sind. Dieser Punkt kann für Gründerinnen und Gründer relevant sein.
Vor der Gründung überlegen
Reicht das Startkapital? Bist du bereit, etwas mehr Administration und Buchhaltung in Kauf zu nehmen, um dein Privatvermögen besser zu schützen?
Steckbrief Aktiengesellschaft (AG)
Die AG ist die passende Wahl für Unternehmen mit Wachstumsplänen, Investoren oder größeren Projekten. Sie wirkt professionell und bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten.
Die wichtigsten Eigenschaften
Mindestkapital (Aktienkapital) CHF 100'000, wovon mindestens CHF 50'000 *liberiert
Das Kapital kann bar und/oder als Sacheinlage bereitgestellt werden (z.B. Immobilien, Mobilien, Maschinen und Anlagen)
Die Gründung kann durch eine oder mehrere Personen erfolgen
Die AG ist eine eigene juristische Person
Die Haftung ist grundsätzlich auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt
Aktien können als Wertpapiere einfacher übertragen werden
Der Handelsregistereintrag ist obligatorisch
*Teilliberierung bedeutet, dass nicht das volle Aktienkapital bei der Gründung einbezahlt werden muss, aber mindestens 50 %. Der nicht einbezahlte Teil bleibt jedoch eine Schuld der Aktionäre gegenüber der Gesellschaft und der Verwaltungsrat kann die Nachliberierung jederzeit verlangen.
So läuft die Gründung ab
Bei der Bank ein Kapitaleinzahlungskonto eröffnen (ausser bei Sacheinlage)
Aktienkapital einzahlen (ausser bei Sacheinlage)
Statuten erstellen
Öffentliche Beurkundung beim Notar
Handelsregistereintrag
Anmeldung bei Sozialversicherungen und falls nötig bei der Mehrwertsteuer
Versicherungen und Vorsorge
Wie bei der GmbH gelten für Mitarbeitende und Organe die entsprechenden Sozialversicherungsregelungen. Auch hier sollte die persönliche Vorsorge von Anfang an Teil der Planung sein.
Steuern
Auch die AG bezahlt Gewinn- und Kapitalsteuern. Aktionärinnen und Aktionäre versteuern Lohn und Dividenden separat.
Geeignet für
Wachstumsunternehmen, Start-ups oder Firmen, die Investoren aufnehmen möchten und die Beteiligungsrechte individuell steuern wollen sowie kapitalintensive Unternehmen und Unternehmen, die auf eine sehr seriöse Aussenwirkung bedacht sind.
Vor der Gründung überlegen
Brauchst du die Möglichkeiten einer Kapitalgesellschaft wirklich schon heute oder vielleicht erst in einigen Jahren? Willst du die erhöhten Anforderungen an Organisation und Administration dafür in Kauf nehmen?
Fazit
Eine universell beste Rechtsform gibt es nicht, sondern nur diejenige, die zu deiner Geschäftsidee, deiner aktuellen Situation und deinen Plänen passt.
Kurz zusammengefasst:
Die Einzelfirma punktet mit einem einfachen Start und wenig Bürokratie.
Die GmbH bietet einen guten Mix aus Haftungsschutz und überschaubarem administrativen Aufwand.
Die AG eignet sich besonders für größere Vorhaben und ambitionierte Wachstumspläne.
Wer sich bereits vor der Gründung Gedanken zu Haftung, Steuern, Versicherungen und Vorsorge macht, spart sich später oft Zeit, Geld und einige schlaflose Nächte.
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Bleib erfolgreich!
Alexander Osterberger-Barrett
nubiz Coaching & Beratung



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