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Marktrecherche in der Schweiz: So findest du heraus, wo dein Produkt im Markt wirklich steht

Wie du eine eigene Marktrecherche sinnvoll einsetzt
Wie du eine eigene Marktrecherche sinnvoll einsetzt

Du hast ein neues Produkt und bist überzeugt: Das hat Potenzial! Oder dein bestehendes Produkt läuft zwar, aber du bist nicht sicher, ob es im Markt eigentlich richtig positioniert ist. Dann stellt sich die Frage: "Was denkt der Markt darüber?" Die schlechte Nachricht: Der Markt denkt überhaupt nichts. Aber im Markt wird gekauft, verglichen, ignoriert, empfohlen oder reklamiert. Deshalb lohnt es sich, etwas genauer hinzuschauen. Eine gute Marktanalyse muss dabei weder 50 Seiten lang sein noch ein Budget verschlingen, bei dem dir mulmig wird. Auch Schweizer KMU und Gründer können mit einfachen Mitteln eine erstaunlich gute Recherche aufbauen. Das Ziel ist nicht, die Zukunft vorherzusagen. Das Ziel ist, bessere Thesen über die Zukunft zu entwickeln und diese anschliessend zu testen.


Was willst du denn herausfinden?


Eine Marktanalyse beginnt nicht mit ChatGPT oder Google. Sie beginnt mit guten Fragen. Zum Beispiel:


  • Wo und was ist unser Markt?

  • Wer interessiert sich für unser Produkt?

  • Welche Angebote bestehen bereits, die das gleiche Bedürfnis oder Problem lösen?

  • Wie positionieren sich unsere Mitbewerber?

  • Wächst der Markt nachhaltig oder reden wir uns gerade einen Trend schön?

  • Was beeinflusst den Markt?

  • Für welchen Angebotsumfang gibt es die grösste Nachfrage?

  • Wie ist die Akzeptanz für den Preis unseres Produktes?

  • Welche Zielgruppe wird am wahrscheinlichsten zu Stammkunden?

  • Welche Abhängigkeiten bestehen?


Es lohnt sich, den Fokus auf Marktgrösse, Kundenbedürfnisse, Konkurrenz, Nachfrage, Trends, Chancen und Risiken zu richten und sich zu fragen, ob das eigene Angebot tatsächlich den Markt findet, den es verdient.


Aber pass auf: Du suchst nicht nach "der Wahrheit". Du suchst nach Hinweisen, aus denen du überprüfbare Annahmen ableiten kannst.


Starte mit dem Markt, nicht mit deinem Produkt


Nehmen wir an, du entwickelst eine neue Software für kleine Handwerksbetriebe in der Schweiz, welche Offerten automatisch erstellt.


Deine erste These könnte sein:


"Schweizer Handwerksbetriebe verlieren viel Zeit mit der Erstellung von Offerten und wären bereit, dafür eine einfache Software zu bezahlen."


Voilà, jetzt wird recherchiert!


  • Welche Branchen und welche Betriebe können von meinem Produkt profitieren?

  • Wie viele potenzielle Kunden gibt es bereits?

  • Welche Lösungen werden aktuell genutzt?

  • Wer bietet ähnliche Produkte an?

  • Nach welchen Begriffen wird gesucht, um Angebote zu finden?

  • Welche Probleme werden in Foren, Bewertungen oder Fachmedien diskutiert?

  • Was empfehlen Branchenverbände?


Bei der Recherche kann man gerne AI-Tools wie ChatGPT oder Google Gemini benutzen, um vertrauenswürdige Links zu Informationen zu finden. Je präziser dein Prompt, desto besser die Ergebnisse. Quellen und Aktualität der Informationen gilt es aber immer vorsichtig zu prüfen.


Ein sehr einfacher Einstieg ist auch Google Trends. Dort kannst du beispielsweise Begriffe wie "Offertensoftware", "Auftragsadministration", "automatische Offerte" oder verwandte Suchbegriffe vergleichen und deren Entwicklung beobachten. Aber aufgepasst, Google Trends zeigt Suchinteresse und nicht automatisch Kaufinteresse. Diese Unterscheidung ist wichtig. Ein Suchvolumen von 10'000 ist nämlich noch lange kein Markt - vielleicht sind es 10'000 Menschen, die verzweifelt nach einer Excelvorlage suchen.


Jetzt kommt der Wettbewerb unter die Lupe


Es wird spannend. Suche nach deinen wichtigsten Wettbewerbern. Nicht nur nach denjenigen, die du bereits kennst. Suche nach Lösungen, die deine Kunden heute tatsächlich verwenden. Erstelle eine einfache Tabelle für fünf bis zehn Anbieter mit folgendem Inhalt:


  • Was wird angeboten?

  • Für wen?

  • Zu welchem Preis?

  • Was wird versprochen?

  • Was ist das wichtigste Verkaufsargument?

  • Welche Bewertungen haben sie erhalten? Was loben sie? Was ärgert sie?

  • Wie wirkt die Webseite und die Kommunikation?

  • Welche Verkaufskanäle werden genutzt?


Bei dieser Tätigkeit lernst du in der Regel sehr viel! Deine Konkurrenz verkauft selten exakt dasselbe Produkt. Sie verkauft vielleicht eine andere Lösung für dasselbe Problem. Prüfe Wettbewerber systematisch nach Angebot, Positionierung, Aktivitäten und Stärken sowie Schwächen. Auch eine SWOT-Analyse kann helfen, wenn du das vertiefen willst.


Jetzt kommt ein ganz wichtiger Teil


Sprich mit echten Menschen, aber nicht mit Freunden, die dein Produkt "mega spannend" finden. Freunde sind wunderbar, aber als Marktforschungsinstrument sind sie ungeeignet. Sprich mit potenziellen Kunden:

  • Hast du bei xy auch Probleme?

  • Wie löst du das heute?

  • Kannst du dir eine bessere Lösung vorstellen?

  • Was nervt dich am meisten?

  • Was kostet dich die aktuelle Lösung?

  • Wie oft tritt das Problem auf?

  • Was wäre für dich ein Grund, für eine neue Lösung Geld auszugeben?


Menschen sind erstaunlich schlecht darin, ihr zukünftiges Verhalten vorherzusagen. Viel interessanter ist, was sie heute tatsächlich tun oder denken.


Aus Recherche resultieren Thesen


Jetzt wird aus vielen einzelnen Beobachtungen ein kleines strategisches Bild, das zum Beispiel wie folgt aussehen kann:


These 1:

Handwerksbetriebe haben tatsächlich ein relevantes Problem mit dem Erstellen von Offerten.


These 2: Der größte Schmerz ist nicht die Zeitersparnis, sondern die fehlende Übersicht über offene Angebote und ein System, systematisch nachzuhaken.


These 3:

Ein Preis von CHF 400 bis CHF 480 im Jahr könnte akzeptabel sein.


These 4:

Der Vertrieb funktioniert besser über Empfehlungen und Branchenpartner als nur über klassische Online-Werbung.


Jetzt kommt der entscheidende Schritt. Nicht einfach glauben, sondern gezielt testen!


Erstelle eine einfache Landingpage und teste unterschiedliche Nutzenversprechen. Schalte eine kleine Werbekampagne und werte die Ergebnisse aus. Biete 10 potenziellen Kunden einen Pilotversuch an. Mach einen Marktstand mit Degustations- bzw. Ausprobiermöglichkeit. Teste unterschiedliche Preise oder Produktvarianten.


Die Tests sind vielfältig. Dabei spielen dein individuelles Angebot, deine Rechercheergebnisse und deine drängendsten Fragen die Hauptrolle und bei den Tests sind keine kreativen Grenzen gesetzt. Hauptsache die Resultate liefern dir echte Erkenntnisse.


Je mehr, dass Menschen von sich investieren, desto wertvoller sind die Erkenntnisse.

Nur Klicks sagen nicht viel aus, aber wenn Menschen E-Mail-Adressen hinterlassen, einen Termin buchen oder tatsächlich bereits Geld bezahlen, dann klingt das nach einem belastbaren Signal.


Recherche ist kein Selbstzweck


Am Ende geht es nicht darum, eine wunderschöne Marktanalyse in einem noch schöneren PowerPoint zu produzieren, sondern bessere Entscheidungen zu treffen.


Eine gute Recherche hilft dir, genauer hinzuschauen und die richtigen Thesen aufzustellen, die du dann mit geeigneten Markttests überprüfen kannst.


Der Vorteil: Mehr Sicherheit! Zum Beispiel bevor grosse Investitionen getätigt werden.


Eine Annahme, die niemand überprüft, ist nur eine Meinung. Und davon gibt es viele.


Wer sauber recherchiert, daraus klare Thesen entwickelt und diese mit kleinen, gezielten Tests überprüft, verschafft sich einen Vorteil.


Das ist besonders für KMU sowie Gründerinnen und Gründer wertvoll. Denn du brauchst nicht immer mehr Daten. Du brauchst die richtigen Fragen, gute Beobachtungen und den Mut, deine eigenen Annahmen zu testen.


Melde dich gerne bei mir, wenn du mehr zu diesem Thema erfahren möchtest oder spezifische Fragen hast.




Ich wünsche dir eine tolle zweite Wochenhälfte!


Herzlich,


Alexander Osterberger-Barrett

nubiz Coaching & Beratung

 
 
 

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