
Wer ein Unternehmen führt, egal wie gross, hat Freiheiten. Dazu gehört leider auch die Freiheit, falsche Entscheidungen zu treffen. Das ist nichts Neues und in der Regel auch nicht so dramatisch. Manche Fehler haben jedoch grössere Konsequenzen, liessen sich aber vermeiden. Willst du wissen, welche das sind und wie du damit umgehen sollst? Hier erfährst du mehr.
Die gute Nachricht: Viele geschäftliche Probleme entstehen nicht durch Pech, sondern durch wiederkehrende Muster.
Die weniger gute Nachricht: Viele Unternehmerinnen und Unternehmer erkennen diese Muster erst dann, wenn bereits Kosten entstanden sind und wertvolle Zeit verloren gegangen ist.
Ein Solopreneur kämpft mit einem vielfältigen Aufgabengebiet und fehlenden Strukturen. Ein Mikrounternehmen mit 2 - 9 Mitarbeitenden steht oft vor der Herausforderung, vom Improvisieren zum strategischen Führen zu wechseln. Ein KMU wiederum muss Prozesse, Führung, Wachstum und Risiken gleichzeitig im Griff behalten und soll dabei den Überblick (intern) und den Blick auf das grosse Ganze (strategisch) nicht verlieren.
DIE SOLOPRENEURE
Du bist CEO, CFO, Verkäufer:in, Marketingspezialist:in, Buchhalter:in, Administrator:in und IT-Abteilung in Personalunion und willst dabei auch noch innovativ sein? Wilkommen in der Welt der Solopreneure und Hut ab, denn das an sich ist schon aller Ehren wert und eine wirklich grosse Herausforderung.
Als Solopreneur lebst du von deiner Flexibilität. Gleichzeitig entsteht dadurch eine gefährliche Abhängigkeit. Denn das Unternehmen funktioniert nur, solange auch du funktionierst.
Fehler 1: Alles selbst machen
Du bist sensibel, was Kosten angeht und scheust auch sonst Abhängigkeiten, das ist normal. Viele werden aber dazu verleitet, alles selber machen zu wollen.
Das Resultat:
Du arbeitest 60 Stunden pro Woche und kommst trotzdem nicht voran.
Beispiel:
Eine selbständige Innenarchitektin verbringt neben ihrem Kerngebiet sehr viel Zeit mit Administration, Offerten und Rechnungen. Zeit, die für Aquise und strategisches Marketing fehlt.
Hier lohnt es sich, wiederkehrende Aufgaben zu strukturieren und standardisieren oder diese gezielt sogar ganz auszulagern, wenn es die Ausgangslage zulässt.
Fehler 2: Keine systematische Kundengewinnung
Viele verlassen sich auf Empfehlungen. Solange das funktioniert, super! Aber was, wenn die Emfpehlungen plötzlich ausbleiben und der Grund dafür muss nicht einmal bei dir liegen?
Besser:
Reservier dir jede Woche feste Zeitfenster für Marketing und Vertrieb und bau dir ein System auf, das dir hilft, nachhaltig Aufträge zu generieren.
Fehler 3: Gewinn mit Liquidität verwechseln
Hoher Umsatz bedeutet nicht automatisch genügend Geld auf dem Konto. Neben der Auftragskalkulation, solltest du das Liquiditätsmanagement mindestens genau so gut im Auge behalten. Viele Solopreneure schenken dem zu wenig Beachtung und kommen leider oft auch in Zahlungsnot.
Hier lässt sich mit einem durchdachten Cash-Management und einer rollenden Liquiditätsplanung vorbeugen. Damit kannst du auch gezielt Liquidität aufbauen für anstehende Investitionen und bist weniger abhängig von Banken.
Fehler 4: Keine klaren Prioritäten
Viele Solopreneure arbeiten permanent, aber nicht immer an den wichtigsten Aufgaben. Dieses Hamsterrad führt dazu, dass man mit dem Unternehmen nicht wirklich Fortschritt erzielt.
Besser:
Jede Woche 2-3 strategische Themen einplanen und den Fortschritt konsequent verfolgen.
Fehler 5: Fachwissen ersetzt kein Geschäftsmodell
Ein guter Handwerker, eine gute Beraterin oder eine gute IT-Spezialistin ist nicht automatisch Unternehmerin. Man ist gut in etwas, ist kein Geschäftsmodell. Wenn strategische Überlegungen fehlen, kann eine kleine Veränderung oft grossen Schaden anrichten.
Hier emfpiehlt es sich, regelmässig am Unternehmen zu arbeiten und die wichtigen Faktoren zu beobachten, die für den Erfolg sorgen oder diesen gefährden können.
Mikrounternehmen
Die meisten Mikrounternehmen wachsen aus einer erfolgreichen Selbständigkeit heraus. In dieser Übergangsphase entstehen oft die grössten Probleme.
Fehler 1: Mitarbeitende ohne System einstellen
Wer Mitarbeitende beschäftigt, muss führen können und ein Umfeld schaffen, dass beidseitig Klarheit schafft.
In der Praxis sieht man oft, dass Konfusion besteht zwischen Arbeitgebenden und Mitarbeitenden. Unklare Verantwortlichkeiten, ein fehlendes Rollenverständnis, fehlende Regeln, wo diese angebracht wären. Hier entstehen unnötige Fehler.
Es lohnt sich, gemeinsam die Vorstellungen über Rollenverständnis, Prozesse, Entscheidungswege und spezifisch notwendige Regeln zu klären.
Fehler 2: Fehlende Dokumentation
Wenn sich Wissen nur im Kopf einzelner Personen befindet, dann wird das schmerzhaft festgestellt, sollte diese Person einmal ausfallen.
Hier helfen schon einfache Prozessbeschreibungen und Checklisten weiter.
Fehler 3: Zu späte Digitalisierung
Wird in deinem Unternehmen noch oft mit Excel-Lösungen, vielen manuellen Abläufen und womöglich auch noch mit unlesbaren von Hand ausgefüllten Formularen gearbeitet, dann ist es höchste Zeit das zu überdenken.
Studien zeigen, dass zahlreiche Schweizer Unternehmen ihren digitalen Reifegrad überschätzen und Potenziale nicht konsequent nutzen. Die Folge kann sein, dass man von den laufenden Entwicklungen im Markt überholt und stehen gelassen wird.
Hier lohnt es sich, die eigenen Prozesse auf Optimierungspotenzial zu analysieren und diese systematisch, mit dem nötigen Gespür für nachhaltige Lösungen, zu optimieren. Automatisierung kann eine gute Lösung sein, ist es aber nicht in jedem Fall.
Fehler 4: Reines Umsatzdenken
Wachstum ohne ausreichende Marge verschärft bestehende Probleme. Im Preis sollte auch Spielraum enthalten sein, für sich rasch ändernde Marktbedingungen. Wer den laufenden Entwicklungen zu wenig Beachtung schenkt bei knapper Marge, wird bald einmal in grössere Schwierigkeiten kommen.
Analysiere Deckungsbeiträge und Profitabilität regelmässig und schau dir auch die laufenden Entwicklungen an den relevanten Märkten an. Handle proaktiv.
Fehler 5: Die falschen Mitarbeitenden einstellen
Der Fachkräftemangel bleibt in der Schweiz eine grosse Herausforderung. Aus diesem Druck heraus werden oft falsche Rekrutierungsentscheide getroffen. Fachwissen allein macht noch keine gute Arbeitskraft. Im Gegenteil, wenn Werte fehlen, kann dies sogar zu kapitalen Problemen führen.
Die Erfahrung zeigt, dass Firmen besser fahren, die Teamfähigkeit, Lernbereitschaft Einsatzwille und Werte stärker gewichten als reines Fachwissen. Auf das Zusammenspiel kommt es an.
KMU
Wenn Komplexität zur grössten Gefahr wird. Ab etwas zehn Mitarbeitenden ändern sich die Spielregeln erneut. Operative Aufgaben sind klarer, dafür erhalten Führung, Organisation und Strategie mehr Gewicht.
Fehler 1: Die Geschäftsleitung arbeitet nur noch operativ
Viele Führungsteams sind permanent im Tagesgeschäft gefangen. Strategische Themen werden auf später verschoben. Damit beginnt man jedoch, wichtigen Themen hinterher zu laufen, statt sie aktiv zu steuern. Das wiederum führt über Zeit zu fehlender Innovation.
Jedes Unternehmen funktioniert anders. Es lohnt sich aber auf alle Fälle, auf eine passende Art Zeit für Strategie, Organisation und Führung einzuplanen und zwar in einer Form, die den Themen so viel Gewicht gibt, dass sie laufend im Bewusstsein bleiben. Damit will ich einfach sagen, dass ein Workshop einmal im Jahr eher für mehr Aufwand als Nutzen sorgt. Ein sinnvolles System muss her - keine Pro-Forma-Aktion.
Fehler 2: Fehlendes Risikomanagement
In einer Zeit von Cyberangriffen, Lieferkettenproblemen, volatileren Märkten und politischer Unsicherheit kann es schnell zu unschönen Veränderungen kommen. Das eine oder andere haben viele KMU bereits erlebt, auch wenn gewisse Dinge kaum so vorhersehbar waren.
Dennoch: Vorsicht ist besser als Bedauern. Es lohnt sich, die wichtigsten Hebel zu kennen, Risiken zu identifizieren und über Eintrittswahrscheinlichkeiten sowie Lösungswege nachzudenken. Eventuell können bestehende Abhängigkeiten sofort behoben werden, ohne dass es viel Reibung erzeugt. In der Not sind diese Aktionen meist um ein Vielfaches schwieriger.
Fehler 3: Innovation aufschieben
"Das machen wir später" ist einer der teuersten Sätze im Unternehmertum.
Viele KMU sehen grosses Potenzial in KI, Automatisierung, Systemwechsel oder Partnerschaften, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Konkrete Lösungen erfolgen jedoch nur zögerlich oder noch schlimmer - halbherzig. "Do. Or do not. There ist no try." so die Aussage von Yoda in Starwars. Da ist auch in der realen Welt viel Wahres dran.
Somit lohnt es sich, Innovationsziele festzulegen und diese konsequent zu verfolgen. Das führt schrittweise zu erfolgreichen Innovationsschritten, wie diese auch immer aussehen mögen. May the Force be with You ;)
Fehler 4: Personal nicht entwickeln
Oft werden die besten Fachspezialisten automatisch zu Vorgesetzten befördert. Nicht immer eine gute Idee. A) Weil dann ein sehr starker Fachspezialist fehlt und B) Weil dem ehemaligen Fachspezialisten womöglich wichtige Führungskompetenzen fehlen.
Zum Beispiel kann ein ungesundes Spannungsfeld entstehen, wenn die Erwartungen des Fach-Genies als Vorgesetzter von den Mitarbeitenden nicht in der erwarteten Art und Weise umgesetzt werden.
Es lohnt sich daher, dass Führungskompetenzen gezielt aufgebaut werden.
Fehler 5: Unternehmenskultur dem Zufall überlassen
Du kannst die Geschäftsleitung fragen, wie es um die Unternehmenskultur steht und sie wird dir oft sagen, dass das im Betrieb kein Thema sei, denn die Stimmung und die Einstellung passe über alle Abteilungen hinweg. Ist das aber wirklich so?
Einem Mitarbeitenden fällt es in der Regel immer etwas schwer, konstruktive Kritik gegenüber der Geschäftsleitung zu äussern. Aber die Mitarbeitenden sind die Augen und Ohren im Betrieb und sehen, wenn etwas nicht mehr passt.
Betriebe die Werte definieren und eine echte Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden auf allen Stufen vorleben, Sicherheit vermitteln und Selbständigkeit fördern, werden einen positiven Dominoeffekt erzielen.
Das kann man aber nicht von heute auf morgen ändern. Das muss man sich bei seinen Mitarbeitenden verdienen: Wort halten. Versprechen einlösen. Zuhören. Offen sein. Respektvoll. Fair. Alles wichtige Faktoren oder aber nutzlose Worthüllen.
FAZIT
Krisen entstehen in der Regel nicht über Nacht. Sie entwickeln sich. Ein Solopreneur verzettelt sich. Ein Mikrounternehmen wächst ohne Strukturen. Ein KMU lässt eine positive Unternehmenskultur vermissen.
Wer den Alltag nicht zum Dominator des Geschehens werden lässt und sich gezielt wichtigen strategischen Themen widmet, wird nachhaltig erfolgreicher Unterwegs sein.
Strategie soll nichts Abgehobenes sein. Sie soll greifbar sein und Sinn stiften. Sie soll das Unternehmen fit für die Zukunft machen und das Bestehen sichern.
Das ist kein Hexenwerk, sondern nur eine Frage von: "Do. Or do not. There is no try."
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Viel Erfolg bei deinen nächsten Vorhaben und bis bald!
Alexander Osterberger-Barrett
nubiz Coaching & Beratung












