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Zeit ist relativ. Zeit wird empfunden. In der Berufswelt ist Zeit jedoch oft nur das, was der Zeitmesser in Zusammenarbeit mit dem Kalender zulässt. Wenn man Zeit jedoch als wertvollstes Gut betrachtet, das einem Menschen zur Verfügung steht, ist sie damit am sinnvollsten eingesetzt? Ich glaube nicht und bin mir bei dieser Aussage bewusst, dass wir in einer Welt leben, in der alles allem Anschein nach schneller, effizienter und reibungsloser zu funktionieren hat. Der Leitartikel befasst sich mit dem Thema und zielt darauf ab, dass ihr einmal bewusst innehaltet und euch mit dem Einsatz eurer Zeit beschäftigt. Daneben gibt es wie immer spannende News aus der nubiz Community und was nubiz gerade so antreibt sowie eine Eventvorschau für den August. Viel Freude bei der Lektüre.


Leitartikel: Vom Umgang mit Zeit

Kennt ihr das Buch "Momo" von Michael Ende? Der Jugendroman wurde 1973 geschrieben und beinhaltet eine Art philosophisches Science-Fiction-Märchen, welches heute nicht zeitgemässer sein könnte, und das obschon es in einer Zeit geschrieben wurde, als weltweit weder Smartphones noch das Internet verfügbar waren. Ja, diese Zeit gab es! Es geht darin um Menschen, die von grauen Agenten der "Zeitsparkasse" um die eigene Zeit gebracht werden. Der Anreiz: Sie sollen Zeit sparen und sie sicher und verzinst für später aufbewahren. In Wahrheit jedoch werden die Menschen um ihre Zeit betrogen. Während sie versuchen, Zeit zu sparen, vergessen sie, im Jetzt zu leben. Gut möglich, dass dir das jetzt bekannt vorkommt, oder?


Als ich das Buch in meiner Jugend gelesen habe, war es für mich eine tolle Geschichte voller Fantasie und spannender Figuren. Heute lese ich darin eine erstaunlich aktuelle Realität. Ständig sagen wir: "Ich habe keine Zeit" und ständig laufen wir irgendwelchen Zielen hinterher, nonstop, ohne einmal richtig innezuhalten und durchzuatmen. Ruckzuck sind wieder ein paar Jahre futsch und man versteht kaum, wo die Zeit geblieben ist. Vielleicht waren da ja die grauen Agenten am Werk? Im übertragenen Sinne stimmt das womöglich sogar.


Gemäss allgemein akzeptiertem Zeitmesser hat jeder von uns jeden Tag genau gleich viel Zeit zur Verfügung, nämlich 24h. Wir sind busy und planen bis auf die freien Minuten, hetzen von Termin zu Termin und sind stolz, wenn wir zwischen zwei Terminen ein paar E-Mails beantworten, denn das gibt uns das Gefühl, richtig produktiv zu sein. Gleichzeitig wächst jedoch das Gefühl, nie wirklich anzukommen.


Das Leben findet nicht zwischen zwei Terminen statt, sondern pünktlich immer ausschliesslich im Hier und Jetzt.


In meinem nubiz weekly Artikel von letzter Woche habe ich über Achtsamkeit im Business geschrieben. Über den gegenwärtigen Moment. Denn genau dort entsteht alles: Entscheidungen, Beziehungen, Ideen, Vertrauen, Bedürfnisse, Lust und Frust.


Vielleicht sollten wir deshalb damit aufhören, Zeit mehr oder weniger nur zu planen, zu verwalten und ihr hinterherzulaufen. Sollten wir die Zeit nicht nach dem Hier und Jetzt richten? Aber wie tut man das? Wir können ja jetzt auch nicht einfach Termine sausen lassen, oder? Nein, in der Regel nicht. Wenn nötig jedoch schon und was wir immer können, ist uns genügend Zeit nehmen, um den jetzigen Moment richtig zu erfassen. Das lässt sich trainieren! So lernt man den bewussteren Umgang mit der Zeit und setzt sie viel befriedigender ein.


Wenn jemand fragt: "Hast du kurz Zeit?", dann versuche ich, wenn immer möglich mit ja zu antworten. Warum? Weil dieser Mensch mich aus irgendeinem Grund genau jetzt gefragt hat und ich sein Anliegen nicht einschätzen kann.


Natürlich kann niemand jederzeit alles stehen und liegen lassen. Unternehmerisches Handeln braucht Struktur, Prioritäten und manchmal auch ein klares Nein. Aber ist es nicht so, dass wir manchmal einfach nein sagen, weil wir uns gehetzt fühlen? Gerade hier könnte diese Auseinandersetzung mit dem Gegenüber wie ein wohltuender Puffer wirken und beiden helfen - Win-Win sozusagen. Sowieso geht es in erster Linie immer um Menschen und nie um Dinge!


Wenn wir uns gehetzt fühlen, dann ist auch am Feierabend nicht mehr viel Energie übrig und wir verstehen gar nicht, was wir in diesen Momenten am meisten brauchen, stattdessen widmen wir uns oftmals dem TV, den sozialen Medien und konsumieren ungesundes Essen oder auch Alkohol.


Betrifft dich nicht? Super! Dann setzt du nämlich einen beträchtlichen Teil deiner Zeit bereits richtig ein, nämlich für dich und was dein Motor so alles braucht, um im konstruktiven Modus zu bleiben. Im Gegensatz zum Motor kannst du nämlich dabei sogar Freude empfinden und das Hier und Jetzt wahrnehmen.


Also gib deiner Zeit mehr Sinn, dann klappt das auch mit der Produktivität und macht erst noch viel mehr Spass! Die grauen Herren verschwinden dann ganz von selbst.


News aus der nubiz community


Benny Reiter Fotografie, Burgdorf:

Hier gibt es News zu den neuen Angeboten - schaut rein:



Laubfrosch Café und Piazza, Steffisburg:

Auch im Laubfrosch ist ordentlich was los. Einerseits sucht Laubfrosch Verstärkung und andererseits sind u.a. dieses Wochenende tolle Events auf der Piazza geplant. Mehr dazu hier


Barrett's Marinaden, Thun:

Das Gemeinschaftsprojekt aus dem Hause Osterberger-Barrett hat im Juli einen sehr erfolgreichen Markttest durchgeführt. Am Schadaumärit in Thun wurde die neue karibische Marinade zum Kauf angeboten. Dabei gab es die Gelegenheit, die Marinade zu probieren. Eine Variante mit Original Punch (also karibisch scharf) und eine mildere Variante "Swiss Punch" mit 50% weniger Chilli-Anteil. Ein spannender Tag und toller Erfolg. Da die Marinade vielseitig heiss und kalt zu diversen Produkten serviert und genossen werden kann und dank exklusiven Zutaten wie Piment ein ganz neues Genusserlebis bietet, konnte praktisch die ganze Ware (> 90%) verkauft werden. Dabei ging auch unser Poker auf. 1/3 der Kunden bevorzugte die mildere Variante und 2/3 wählten die authentisch karibische Variante. Mehr über unsere Marinade gibt es hier zu erfahren, wir freuen uns schon auf die nächsten Schritte im August!




News aus der nubiz Küche

Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber ich erhalte laufend Anfragen auf Linkedin von Menschen, die mir eine Dienstleistung verkaufen wollen. Oft wird auf ein Erstgespräch gedrängt. Meine Antwort: Gebt mir bitte zuerst eine Idee oder etwas konkretes, wie mein Unternehmen profitieren kann. Dann wird es meistens still oder es folgt ein hartnäckiger Versuch, das Gespräch durchzuführen. Ich verstehe die Strategie, finde sie aber als Mensch nicht ganz richtig. Ich will was meine eingesetzte Zeit angeht nicht die Katze im Sack kaufen. Ich selbst biete deshalb mit nubiz Interessenten die Möglichkeit, mich und meine Dienstleistungen so zu testen, dass bereits konkrete Vorschläge und Impulse zeigen, wohin die Reise gehen kann. Potenzielle Kunden profitieren von einer schriftlichen Ersteinschätzung und können kostenlos erste Erkenntnisse umsetzen und wenn sie wollen, konkret und zielgerichtet die Zusammenarbeit fortsetzen. Vorteil: Klare Erwartungen. Konkrete Ziele. Echter Mehrwert. Dabei profitiere auch ich, denn ich lerne viel über die Problemstellungen und lege die Basis für eine konstruktive, langfristige Zusammenarbeit, die auf Vertrauen basiert.


Ersteinschätzung für neue Vorhaben von Startups und Business-Startern in der Schweiz:


Ersteinschätzung für Problemstellungen von KMU's in Veränderungsprozessen:


Ersteinschätzung für private und geschäftliche Finanzierungsprojekte:


Rückblick auf spannende nubiz weekly Beiträge

Rekord! Mit aktuell 509 Ansichten gibt es einen neuen Spitzenreiter bei meinen nubiz weekly Artikeln. Scheinbar hat der Beitrag zur Scheinselbstständigkeit einen Nerv getroffen. Das Interesse freut mich sehr. Hier die Artikel vom Juli zum nachlesen:



Motto des Monats

"Do the right things and do them right!" Es geht bei mir darum Prioritäten richtig zu setzen und sich dann fokussiert auf das Thema zu konzentrieren, das man gerade vor sich hat. Das heisst bewusst auswählen, was man tut und es dann konsequent und fokussiert umsetzen.


Events im August in der Schweiz für Startups & KMU's



Nun wünsche ich euch einen erfolgreichen Tag und ein schönes 1-August-Weekend. Das fehlende Feuerwerk müssen wir nun halt mit guter Laune, Festivitäten und etwas Feinem auf dem Teller wettmachen.


Alexander Osterberger-Barrett

nubiz.ch Coaching & Beratung


 
Klarheit beginnt bei dir! Achte auf dich, dann kannst du dich auch viel besser um alles andere kümmern.
Klarheit beginnt bei dir! Achte auf dich, dann kannst du dich auch viel besser um alles andere kümmern.

"Für Achtsamkeit habe ich keine Zeit". Wenn du das sagst, dann ist wohl ironischerweise genau jetzt der richtige Zeitpunkt dafür. Keine Angst, es geht in diesem Artikel nicht um Klangschalen, Räucherstäbchen oder stundenlanges Meditieren am Berg, obschon das alles definitiv auch was für sich hat. Nein, es geht um etwas Bodenständiges. Es geht darum, den eigenen Kopf wieder selbst zu steuern, statt sich von Terminen, E-Mails und Problemen steuern zu lassen.


Als Unternehmerin oder Unternehmer triffst du täglich unzählige Entscheidungen. Du trägst Verantwortung für Kunden, Mitarbeitende, Business-Partner und nicht zuletzt auch für deine eigene Familie, die ebenso von deinem Tun im Geschäft betroffen ist. Deshalb ist ein klarer Kopf dein wichtigstes Tool.


Was bedeutet Achtsamkeit eigentlich?


Achtsamkeit beschreibt die Fähigkeit, den gegenwärtigen Moment bewusst wahrzunehmen, ohne ihn sofort zu bewerten oder gedanklich schon beim nächsten Thema zu sein. Die Wurzeln liegen in alten buddhistischen Traditionen. In den letzten Jahrzehnten hat die Psychologie das Thema jedoch intensiv erforscht. Der Molekularbiologe Jon Kabat-Zinn hat Achtsamkeit der breiten Öffentlichkeit zugänglich und wissenschaftlich greifbar gemacht. So fand sie den Weg über den Menschen auch zum Unternehmertum.


Heute zeigen zahlreiche Studien: Regelmässige Achtsamkeit kann Stress reduzieren, die Konzentration verbessern, emotionale Belastbarkeit stärken und die Qualität von Entscheidungen positiv beeinflussen. Es ist somit kein spiritueller Trend, sondern mentales Training für mehr Klarheit in deinem Leben.


Wir leben weder gestern noch morgen


Die Vergangenheit können wir nicht verändern. Die Zukunft können wir nur beschränkt selber beeinflussen. Trotzdem verbringen wir so viel Zeit an diesen Orten. Wir grübeln über Fehler von gestern und entwerfen Katastrophenszenarien für morgen. Währenddessen passiert das Leben genau jetzt, in diesem Moment.


Achtsamkeit holt uns zurück ins Hier und Jetzt. Dadurch verschwinden Probleme nicht einfach. Aber durch Klarheit gewinnen wir Ruhe und Souveränität über unsere Gedanken und können so die Probleme viel konstruktiver managen.


Wie profitierst du und dein Unternehmen von der Achtsamkeit?


Der Körper sitzt im Kundengespräch. Der Kopf schreibt bereits die nächste Offerte. Nebenbei kreisen die Gedanken um offene Rechnungen, Personalfragen und den nächsten Termin. Multitasking fühlt sich produktiv an, kostet aber sehr viel Energie, die dein Gehirn für das Hin- und Herspringen verbraucht. Wer sich auf eine Aufgabe im Hier und Jetzt konzentriert, erledigt am Ende des Tages, was wirklich notwendig ist, mit viel mehr Impact.


Positive Auswirkungen:

  • Bessere Entscheidungen

  • Weniger impulsive Reaktionen

  • Höhere Konzentration

  • Mehr Gelassenheit unter Druck

  • Mehr Aufmerksamkeit für Chancen und Risiken

  • Mehr Klarheit in deinem Schaffen

  • Bessere Kommunikation

  • Eine offenere Grundhaltung

  • Ein besseres Verhältnis zu Mitarbeitenden, Stakeholdern und Kunden

  • Ein deutlich entspannterer Feierabend mit deinen Liebsten


Im echten Leben gilt nicht B2B oder B2C, sondern immer H2H (Human to Human). Menschen verhandeln mit Menschen, Menschen kaufen bei Menschen, Menschen arbeiten mit Menschen. Achtsamkeit macht Menschen offener, zugänglicher, authentischer und souveräner.


Wie fange ich ganz einfach an


Ich bin ja jetzt auch kein Zen-Mönch oder Shaolin-Priester, aber ein paar Übungen lohnen sich schon, insbesondere auch in ganz spezifischen Momenten oder eben auch als Routine.


Im Tag ankommen - die Routine


Früh morgens klingelt der Wecker. Du wachst langsam auf. Jetzt musst du sofort zum Handy greifen und die News lesen. Wrong!


Was viel besser funktioniert: Öffne das Fenster, so dass du frische Luft bekommst. Wie fühlt sich dein Körper an, von den Füssen bis zum Kopf? Was nimmst du jetzt gerade mit deinen Sinnen wahr? Was hörst du? Was siehst du? Was riechst du?


Vor dem Kaffee eine kleine Übung - nur 5 Minuten. Nachdem du im neuen Tag angekommen bist, beginnst du damit, den Atem zu wecken. Diese Übung hilft dir, wach zu werden und den Tag voller Selbstvertrauen und innerer Ruhe in Angriff zu nehmen:


Du stehst aufrecht mit beiden Füßen am Boden. Die Füsse sind hüftbreit auseinander. Die Arme hängen an der Körperseite, die Innenflächen nach vorne gerichtet, so dass die Daumen nach aussen zeigen. Jetzt beginnst du durch die Nase einzuatmen und hebst dabei die Arme langsam nach oben, bis deine Handflächen über dem Kopf aufeinandertreffen. Während du langsam durch die Nase ausatmest, bringst du die Arme wieder in die Ausgangsstellung. Du musst den Atem nicht anhalten und kannst zwischendurch auch ein paar Mal durchschnaufen. Wiederhole diese Übung nun 5 - 8 Mal in dem für dich angenehmen Tempo. Das hilft dir, dich richtig einzustimmen.


Ich gönne mir danach als Nächstes ein heisses Getränk. Nimm dir auch dafür Zeit und sei einfach präsent, ohne etwas anderes zu tun, als genüsslich dein Getränk zu trinken.


Jetzt kannst du überlegen, was du heute alles tun willst. Vergleiche den Unterschied zu gestern, als du einfach als Erstes das Handy gezückt hast. Was fühlt sich besser an?


Mir hilft das, mit viel Klarheit und einem gesunden Tatendrang ohne Ablenkung in den Tag zu starten. Vielleicht hilft es dir ja auch?


Der Not-Knopf für ein kleines Timeout zwischendurch


Du bist aufgewühlt, gestresst oder stehst gerade vor einer wichtigen Entscheidung. Bevor du nun gleich handelst, lohnt es sich, kurz durchzuatmen und Klarheit zu gewinnen.


Stell dich irgendwo, wo du möglichst ungestört bist, wie bei der Morgenroutine aufrecht mit beiden Füssen auf den Boden. Die Arme hängen entspannt an der Seite deines Körpers. Nun atmest du tief durch die Nase ein und in deinem Tempo durch den Mund für dich hörbar wieder aus. Wiederhole das, bis du merklich ruhiger wirst. So minderst du dein Stresslevel.


Nun überlegst du dir, was jetzt in deiner Situation wirklich wichtig ist und versuchst dabei, dir die Ausgangslage neutral und sachlich vor Augen zu führen.


Frag dich bewusst, was dich dabei am meisten beschäftigt. Wie kannst du es positiv beeinflussen? Wenn du nichts tun kannst, warum schenkst du diesem Ereignis trotzdem so viel Aufmerksamkeit? Was musst du nun wirklich tun?


Oftmals ist man in diesem Moment schon sehr klar. Wenn nicht, dann empfehle ich unbedingt einen kleinen Spaziergang draussen an der frischen Luft.


Fazit


Bei wichtigen Fragen, in bewegenden Momenten und bei innerer Unruhe gilt immer das gute alte Berner Sprichwort: "Du muesch nid drischiesse". Unmittelbar zu handeln führt oft zu einer noch unangenehmeren Ausgangslage. Nimm dir Zeit, im Hier und Jetzt anzukommen, dich selbst zu spüren und Druck abzulassen, dann gibst du deinem Geist die Kraft, in Klarheit Entscheidungen zu treffen. Achtsamkeit bedeutet, du setzt dich im Hier und Jetzt mit einer Aufgabe auseinander und setzt vor wichtigen Entscheidungen auf Reset, so dass diese nicht von falschen Einflüssen geprägt sind.


Ein scharfes Messer schneidet besser. Genau so findet ein klarer Kopf eben auch bessere Lösungen.


Als Coach und Berater für KMU und Startups in der Schweiz begleite ich Unternehmerinnen und Unternehmer dabei, Herausforderungen strukturiert anzugehen, eine neutrale Perspektive zu entwickeln und tragfähige Lösungen zu finden.

  • Auf dem Gründungsweg

  • In Veränderungsprozessen

  • Bei Finanzierungsfragen


Achtsamkeit bedeutet dabei für mich eben auch, dich im Hier und Jetzt ganzheitlich wahrzunehmen, damit wir die passenden Tools finden, sei dies wirtschaftlich, strategisch oder eben einfach auch menschlich, um dich mit deinem Unternehmen vorwärts zu bringen. Achtsamkeit, Erfahrung und Sachverstand sind für mich die wichtigen Zutaten, die gemeinsam angewandt die grösste Kraft entwickeln.


Melde dich gerne, wenn bei dir und deinem Unternehmen irgendwo der Schuh drückt.


Ich wünsche dir einen tollen Tag!


Alexander Osterberger-Barrett












 
Scheinselbstständigkeit als Gefahr für Schweizer Unternehmen
Scheinselbstständigkeit als Gefahr für Schweizer Unternehmen

Ein Unternehmen beauftragt eine Einzelfirma. Es gibt einen Vertrag. Die Rechnung kommt jeden Monat. Alle sind zufrieden. Perfekt, oder? Oder vielleicht doch nicht? Denn was auf dem Papier wie Selbstständigkeit aussieht, kann aus Sicht der Sozialversicherungen etwas ganz anderes sein. Hier lauert ein kostspieliger Stolperstein für Schweizer Unternehmen: die sogenannte Scheinselbstständigkeit.


Was bedeutet Scheinselbstständigkeit?


Der Begriff selbst steht zwar nicht ausdrücklich im Gesetz, wird aber in der Praxis verwendet, wenn eine Person formal als Selbstständigerwerbende auftritt, tatsächlich jedoch wie eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer arbeitet.


Entscheidend ist dabei nicht, was zwischen Auftraggeberseite und Auftragnehmerseite vereinbart wurde. Massgebend ist vielmehr, wie die Zusammenarbeit tatsächlich gelebt wird. Die zuständigen AHV-Ausgleichskassen und - je nach Branche - die Suva beurteilen jeden Einzelfall anhand verschiedener Kriterien.


Typische Merkmale einer echten Selbstständigkeit sind:

  • Arbeiten im eigenen Namen und auf eigene Rechnung

  • Eigenes wirtschaftliches Risiko

  • Eigene Infrastruktur

  • Freie Organisation der Arbeit

  • Mehrere Auftraggeber statt wirtschaftliche Abhängigkeit von einem einzigen Kunden


Keines dieser Kriterien allein entscheidet den Fall. Es zählt immer das Gesamtbild.


Warum ist das für Unternehmen als Auftraggeber gefährlich?


Stellt eine Ausgleichskasse später fest, dass tatsächlich ein Arbeitsverhältnis vorlag, kann das teuer werden.


Mögliche Folgen sind:

  • Nachzahlung von AHV-, IV-, EO- und weiteren Sozialversicherungsbeiträgen

  • Nachforderungen bei Unfallversicherung und weiteren Versicherungen

  • Verzugszinsen

  • Arbeitsrechtliche Ansprüche der betroffenen Person

  • Zusätzlicher administrativer Aufwand und rechtliche Verfahren


Mit anderen Worten: Aus einer vermeintlich günstigen externen Lösung kann rückwirkend ein ziemlich kostspieliges Arbeitsverhältnis werden.


Beispiel: UBER


Ein bekanntes Beispiel aus der Plattformökonomie. Über mehrere Jahre beschäftigen Gerichte und Behörden die Frage, ob Uber-Fahrer selbstständig oder angestellt seien. Die Suva kam bereits 2019 zum Schluss, dass Uber-Fahrer sozialversicherungsrechtlich unselbstständig tätig seien. Später bestätigte auch das Bundesgericht in verschiedenen Verfahren diese Einordnung. Ausschlaggebend waren unter anderem die starke organisatorische Kontrolle durch Uber sowie die wirtschaftliche Abhängigkeit der Fahrer. Uber wurde verpflichtet, rückwirkend für Millionen von Franken paritätische Sozialversicherungsbeiträge für die Fahrer nachzuzahlen und musste seine Geschäftsmodelle grundlegend anpassen.


Das Beispiel zeigt eindrücklich: Auch moderne Geschäftsmodelle ändern nichts daran, dass die tatsächlichen Arbeitsverhältnisse entscheidend sind.


Worauf Auftraggeber achten sollten


Wenn Sie mit Einzelfirmen oder Freelancern zusammenarbeiten, lohnt sich eine kurze Risikoprüfung.


Fragen aus der Theorie:

  • Arbeitet die Person auch für andere Kunden?

  • Nutzt sie ihre eigene Infrastruktur?

  • Kann sie ihre Arbeitsweise frei bestimmen?

  • Trägt sie ein unternehmerisches Risiko?

  • Tritt sie am Markt eigenständig auf?


Das ist wenig hilfreich, denn es ist immer noch sehr schwammig.


In der Praxis kann man als Faustregel davon ausgehen, dass bei einem einmaligen Auftrag mit Auftragssumme nicht höher als CHF 2'300 kaum ein Risiko besteht (CHF 2'300 ist die Untergrenze für AHV-pflichtiges Einkommen). Darüber hinaus sollte man das genauer prüfen, wenn es sich nicht um ein klar abgegrenztes Projekt handelt. Ab CHF 10'000 muss man wohl davon ausgehen, dass es sich betraglich um einen grossen Teil des Jahreseinkommens des Auftragnehmers handelt, und da werden die Sozialversicherungen hellhörig.


Ist der Auftragnehmer allerdings eine GmbH oder AG, gibt es für den Auftraggeber kein Risiko für Scheinselbstständigkeit, da die natürliche Person des Auftragnehmers bei der eigenen GmbH oder AG angestellt ist und somit AHV-Beiträge abführen muss. Das Risiko betrifft fast ausschliesslich Einzelfirmen.


Im Zweifelsfall empfehle ich, vom Auftragnehmer oder von der Auftragnehmerin eine Bestätigung der Ausgleichskasse über den Status der selbstständigen Erwerbsttätigkeit einzuholen und diese in den Akten abzulegen. Damit wird bestätigt, dass die auftragsnehmende Person als selbstständig erwerbstätig erfasst ist und ihre AHV-Beiträge dort selbst abrechnet. Zudem sollte die Tätigkeit mit derjenigen übereinstimmen, die diese Person für Sie ausübt. In aller Regel bietet dies ausreichend Sicherheit für eine Auftragsbeziehung.


In bestimmten Fällen haben sich Einzelfirmen aus der Problematik heraus auch schon entschlossen, eine GmbH zu gründen, denn Auftraggeber setzen sich nicht gerne mit unsicheren und womöglich riskanten Verhältnissen auseinander und geben einen Auftrag wohl im Zweifelsfall immer lieber einer GmbH oder AG.


Und was können Selbstständigerwerbende tun?


Einzelfirmen als Auftragnehmer sollten das Thema ebenfalls ernst nehmen. Wer fast ausschließlich für einen einzigen oder wenige Auftraggeber arbeitet, dessen Arbeitszeiten übernimmt, dessen Infrastruktur nutzt und/oder faktisch Teil der Organisation wird, läuft Gefahr, später nicht mehr als selbstständig anerkannt zu werden.


Das hat nicht nur unangenehme Folgen im Verhältnis zum Auftraggeber, sondern spricht sich auch rasch herum. Es folgt die Kündigung. Zudem drohen Steuernachzahlungen und vom Rückabwicklungsprozess für die Mehrwertsteuer möchte ich gar nicht erst sprechen und der Anschluss an die ALV ist auch nicht gesichert. Es droht eine Verkettung ungünstiger Umstände.


Es lohnt sich also, diesem Thema auch auf der Auftragsnehmerseite Beachtung zu schenken.


Fazit


Scheinselbstständigkeit ist kein theoretisches Spezialthema für Juristen. Sie betrifft viele Startups, KMU und Selbstständige in der Schweiz und leider oft, ohne dass sich die Beteiligten dessen bewusst sind.


Positiv: Das Risiko lässt sich meist vermeiden. Wer die Zusammenarbeit von Anfang an sauber gestaltet, die tatsächlichen Verhältnisse ehrlich prüft und bei Unsicherheiten frühzeitig aktiv wird, spart sich später viel Zeit, Geld und Nerven.


Eine gute Geschäftsbeziehung sollte natürlich auf Vertrauen beruhen, aber bei der Sozialversicherung schadet ein kurzer Realitätscheck nicht. Das hilft letztendlich beiden Parteien.


Ich wünsche eine erfolgreiche zweite Wochenhälfte!


Bis bald und meldet euch gerne bei mir, wenn ihr Fragen zur Selbstständigkeit oder zur Unternehmensentwicklung habt.


Alexander Osterberger-Barrett

nubiz Coaching & Beratung


076 823 73 33





 
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