Warum Loslassen der erste Schritt zur erfolgreichen Veränderung ist und warum unser Gehirn das ziemlich unfair findet - nubiz weekly
- Alexander K. Osterberger
- 27. Mai
- 3 Min. Lesezeit

Wir Menschen behaupten gern, wir seien offen für Neues. Bis es ernst gilt. Dann passiert etwas Faszinierendes: Wir wünschen uns Veränderung, aber bitte ohne gross etwas zu verändern. Das ist ungefähr so, als würde man ein Fitnessabo kaufen und hoffen, dass allein die Tatsache des Kaufs zum Gewichtsverlust führt.
Das sieht man auch oft bei Schweizer Unternehmen, vom Startup bis zum etablierten KMU. Alle tragen einen unsichtbaren Rucksack voller grundlegender Annahmen mit sich herum:
"Unsere Kunden wollen das nicht."
"So funktioniert das in unserer Branche."
"Wir verstehen den Nutzen für die Kunden."
"Es gibt keinen anderen Weg."
"Bei uns ist das anders."
"Aber das war doch schon immer so."
Manche Überzeugungen waren einmal richtig, andere nie. Solange wir an alten Annahmen festhalten, können wir Neues kaum zulassen.
Das LOL²A-Prinzip von René Egli (Schweizer Betriebsökonom und Autor) beginnt deshalb bewusst mit LO = Loslassen. Egli beschreibt darin sechs Kernelemente des Loslassens:
Ist-Zustand akzeptieren - Widerstand erzeugt Reibung
Nicht urteilen - Offen sein und nicht "schubladisieren"
Kein Gedanke an den Weg - das Wie wird sich aus dem Was ergeben
Kein Kampf - locker bleiben und sich keinen Druck erzeugen
Keine Zielverkrampfung - nicht aufs Ziel einschiessen
Kein Zweifel - Vertrauen in den Prozess haben
Loslassen bedeutet in der Praxis nicht gegen die Realität kämpfen zu wollen, nicht kontrollieren zu müssen und nicht an Angst, Schuld oder Bewertung festzuhalten, sondern Vertrauen in den Prozess der Erneuerung zu entwickeln. Durch Loslassen entsteht erst der Raum, den neue Ideen brauchen.
Einfacher ausgedrückt: Wer sich mit beiden Händen an bisherige Annahmen und Handlungsweisen klammert, wird es schwer haben, die Chancen der Zukunft zu ergreifen.
Warum Veränderung im Kopf beginnt
Der Managementforscher Peter Senge beschreibt Organisationen als Systeme voller mentaler Modelle. Also Annahmen darüber, wie die Welt funktioniert. Genau hier liegt oftmals das Problem. Viele Unternehmen starten Veränderungsprojekte mit neuen Prozessen, Tools oder Strategien, aber wenn die Denkweise dieselbe bleibt, gewinnt meist das Herkömmliche.
Kennst du das vielleicht: Workshop für Innovation und danach zurück in den Alltag, als wäre nichts gewesen?
Unser Hirn liebt Bekanntes. Selbst dann, wenn Bekanntes gerade gegen die Wand fährt.
Ein paar Denkanstösse zum Thema loslassen
Ungeachtet des bisherigen Weges: Wenn du heute nochmals von vorne beginnen würdest, wie sähe das aus? Was wäre anders?
Welche Vorschriften und Anleitungen im Unternehmen braucht es heute noch?
Wie offen ist das Management für neue Ideen und was lässt die bestehende Organisation überhaupt zu?
Warum hältst du an bisherigen Annahmen fest? Welche Beweise hast du?
Warum-Fragen sind, wie ich finde, übrigens äusserst effektiv, wenn auch enorm unbequem. Denn wenn du die Antwort "das war schon immer so" oder "ist so, weil ist so" nicht tolerierst, dann wirst du gedanklich gezwungen, der Frage wirklich auf den Grund zu gehen und eine qualitativ anspruchsvollere Antwort zu finden.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beratungsunternehmen hält jahrelang an der Annahme fest, dass seine Kunden persönliche Beratung ausschliesslich vor Ort wollten.
Erst als jemand zu fragen wagt, ob wir das einfach glauben oder ob wir sicher sind, kommt konstruktive Dynamik auf.
Nach einigen Tests entsteht ein hybrides Beratungsmodell. Weniger Aufwand, dafür höhere Reichweite und zufriedenere Kunden.
Fazit
Loslassen ist ein aktiver Prozess, der im eigenen Kopf und bei der eigenen Einstellung beginnt und dann im positiven Fall eine konstruktive Kettenreaktion auslöst:
Man schafft eine offene, neutrale Ausgangslage ohne Druck
Dadurch entsteht Raum für die wirklich wichtigen Fragen
Diese Fragen können offen und unvoreingenommen betrachtet werden
Daraus ergeben sich sinnvolle Tests
Tests schaffen echte Erkenntnisse
Erkenntnisse ermöglichen erfolgreiche Veränderung
Wie bist du mit deinem Unternehmen oder Startup unterwegs? Hast du bereits losgelassen und einer neutralen Einschätzung Platz gegeben?
Wenn nicht, dann kannst du gerne auf mich zukommen. Ich unterstütze dich dabei, Raum für die wirklich wichtigen Fragen zu schaffen und so echte Erkenntnisse zu gewinnen, die eine erfolgreiche Veränderung ermöglichen.
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Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinen nächsten Projekten!
Bis bald,
Alexander Osterberger-Barrett
nubiz Coaching & Beratung



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