Wie finanziere ich mein neues Unternehmen? Ein Blick auf Chancen, Hürden und smarte Alternativen in der Schweiz - nubiz weekly 012
- Alexander K. Osterberger
- 23. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 24. Feb.

Gründerinnen und Gründer starten meistens voller Energie mit einer tollen Geschäftsidee im Gepäck und einem gut durchdachten Plan! Wenn es dann aber um die Finanzierung geht, trifft die Vision auf eine harte Realität. Banken winken ab, Investoren sind kritisch und Alternativen sind schwierig zu finden. Die gute Neuigkeit? Es gibt mehr Möglichkeiten als du denkst, man muss nur wissen, welcher Weg zum Unternehmen passt.
Warum die Finanzierung für Neugründer oft zur ersten grossen Hürde wird
Neue Unternehmen haben es schwer, klassische Finanzierungspartner zu überzeugen. Das liegt oftmals nicht an der mangelden Qualität der Idee, sondern an den typischen Rahmenbedingungen:
Fehlende History: Banken wollen Zahlen sehen - Umsätze, Cashflows, volle Auftragsbücher, einen bestehenden Kundenstamm. Ein junges Unternehmen hat davon naturgemäss wenig. Der Case besteht oft aus einem Zukunftsbild, das auf Annahmen baut.
Risikoprofil: Das Risiko des Scheitern ist bei Startups statistisch gesehen sehr hoch. Das macht Geldgeber vorsichtig.
Unklare Skalierbarkeit: Besonders bei innovativen Geschäftsmodellen fehlt oft der Beweis, dass der Markt gross genug ist und das Angebot funktioniert.
Fehlende Sicherheiten: Software, Know-how oder eine gute Idee lassen sich nicht verpfänden.
Gerade Banken sind in der Schweiz traditionell risikoavers. Sie finanzieren lieber bestehende Unternehmen mit stabilen Cashflows als ambitionierte Neugründer, was auch eher dem Auftrag der Bank entspricht. Denn das Geld, welches sie auf der einen Seite entgegennehmen (Spargelder), soll auf der anderen Seite auch möglichst sicher angelegt werden (Kredite). Doch das bedeutet nicht, dass gar nichts möglich ist.
Banken: Was realistisch ist und was nicht!
Banken eignen sich als Finanzierungspartner vor allem für KMU mit erprobten Geschäftsmodellen und "sicheren" Cashflows sowie Unternehmen mit einer ausserordentlich guten Bonität und Sicherheiten (Immobilien, Bürgschaften).
Das ist für neue Unternehmen oft nicht in ausreichender Form zu gewährleisten. Eine Möglichkeit bieten hier Bürgschaftsgenossenschaften wie BG Mitte oder BG Ost, die Kredite von neuen Unternehmen unter Umständen bis zu einem gewissen Betrag verbürgen und so die Chancen auf einen Bankkredit erhöhen, denn die Bürgschaft gilt als sicher und ist ein Förderinstrument.
Welche Alternativen gibt es sonst und für wen eignen sie sich?
Bootstrapping - der unterschätzte Klassiker
Viele erfolgreiche Unternehmen wurden ohne externe Finanzierung aufgebaut (Basis: eigene Mittel & laufende Einnahmen werden ins eigene Wachstum investiert, plus eventuell Unterstützung von Family & Friends als Förderer).
Geeignet für:
Dienstleistungsunternehmen
Gründung mit tieferen Startinvestitionen
Unternehmer:innen, die volle Kontrolle behalten wollen
Vorteil: Keine Abhängigkeit von Investoren
Nachteil: Langsameres Wachstum
Business Angels - Kapital und Know-how
Business Angels investieren ihr eigenes Kapital in frühen Phasen in Unternehmen und bringen auch ihre Erfahrung mit ein (Bsp. SICTIC, BAS oder B2venture).
Geeignet für:
Innovative Start-ups
Skalierbare Geschäftsmodelle
Gründer, die Mentoring schätzen
Vorteil: Zugang zu Netzwerk und Expertise
Nachteil: Abgabe von Anteilen
Venture Capital - Wachstum finanzieren
VCs steigen meist später ein als Business Angels und investieren grössere Beträge.
Geeignet für:
Start-ups mit hohem Wachstumspotenzial
Tech-, MedTech-, FinTech- oder DeepTech-Unternehmen
Vorteil: Schneller Kapitalaufbau
Nachteil: Hohe Erwartungen an Wachstum und Exit
Förderstellen & Stiftungen - unterschätzte Chancen
Die Schweiz bietet eine Vielzahl an Förderprogrammen:
Innosuisse (Innovationsprojekte)
Geeignet für:
Innovative oder gesellschaftlich relevante Projekte
Start-Ups mit Forschungsbezug
Unternehmen mit regionalem Nutzen
Vorteil: Nicht rückzahlbare Beiträge
Nachteil: Oft recht aufwendige Antragsprozesse
Crowdfunding - Finanzierung durch die Community
Plattformen wie Wemakeit oder Kickstarter ermöglichen es, Kapital über viele Unterstützer zu sammeln.
Geeignet für:
Kreative Projekte, die faszinieren
Produkte mit toller Story, die sich gut vermarkten lassen
Angebote mit Nutzen, der Emotionen weckt
Vorteil: Finanzierung & Marketingeffekt
Nachteil: Hoher Aufwand für Kampagnenaufbau
Crowdinvesting - Investitionen von einer öffentlichen Community
Eine Plattform wie Conda eignet sich für innovative Firmen die wachstumsorientiert sind und mit der Öffentlichkeit marketingwirksam arbeiten wollen.
Geeignet für:
Innovative Startups
Wachstumsorientierte KMU
Vorteil: Kombination aus Finanzierung und Marketing (hohe Sichtbarkeit)
Nachteil: Hoher zeitlicher und personeller Aufwand für die Kampagnen
Crowdlending - Kredit von der Masse
Plattformen wie Lend oder CreditGate24 vermitteln Kredite von privaten Anlegern. Diese Plattformen bilden eher eine Alternative für KMU als für neue Unternehmen oder Startups.
Geeignet für:
KMU mit solider Planung
Unternehmen, die keinen Bankkredit erhalten
Vorteil: Flexiblere Kriterien und schnellere Antragsverfahren als bei Banken
Nachteil: Zinsen oft höher als bei Banken und operative Tätigkeit wird vorausgesetzt (2 Jahresabschlüsse).
Fazit: Finanzierung ist auch Positionierung
Finanzierung ist nicht nur ein finanzielles, sondern auch ein kommunikatives Thema. Wer Kapital sucht, muss:
eine fördernswerte Story erzählen
den Nutzen sichtbar machen
Vertrauen aufbauen & transparent informieren
Zahlen und Vision verbinden mit prüfbaren Informationen
empfängergerecht kommunizieren
Eine starke Positionierung erhöht nicht nur die Chancen auf Finanierung, sie stärkt ganz generell das Fundament des Unternehmens.
Die Finanzierung eines neuen Unternehmens ist anspruchsvoll, aber nicht unmöglich. Entscheidend ist, die Optionen zu kennen und strategisch zu kombinieren. Wer früh plant, klar kommuniziert und die passende Finanzierungsstrategie wählt, schafft die Basis für nachhaltigen Erfolg.
Die Finanzierung eines neuen Unternehmens ist anspruchsvoll, aber keineswegs unmöglich. Entscheidend ist, die Optionen zu kennen und strategisch zu kombinieren. Ob Bankkredit, Business Angel, Crowdfunding oder Fördergelder – jede Möglichkeit hat ihren Platz. Wer früh plant, klar kommuniziert und die passende Strategie wählt, verschafft sich die beste Ausgangslage.
Kostenlose Ersteinschätzung Finanzierungsvorhaben
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Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinen nächsten Schritten und stehe dir bei Fragen gerne zur Seite!
Herzlich,
Alexander Osterberger-Barrett
Businesscoach



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