- Alexander K. Osterberger
- 9. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Feb.

Warum es nicht um den Beruf geht, sondern um die Berufung
Ein Beruf sichert die Existenz; eine Berufung füllt das Leben. Der klassische Karriereweg vermittelt uns, dass wir einen Beruf finden müssen. Doch ein Beruf ist eine Rolle. Eine Berufung ist Ausdruck deiner Identität. Berufung entsteht dort, wo deine Stärken, deine Werte und deine Freude zusammenkommen. Berufung bedeutet nicht zwingend Selbstständigkeit, aber die (Teil-)Selbstständigkeit kann der Raum sein, indem du dich selber finden und entfalten kannst.
Ich hatte dieses Gefühl und habe deshalb meine tolle Anstellung bei der Bank - mit gutem Gehalt und supernetten Kollegen - aufgegeben und mich ins Abenteuer Selbstständigkeit gestürzt. Denn obschon es ein wirklich guter Job war, wusste ich innerlich, dass ich mich darin nicht voll entfalten kann. Das hilft letztendlich niemandem - auch dem Arbeitgeber nicht.
Seither befinde ich mich in einem Prozess, alte Muster abzulegen und wirklich zu mir selber zu finden. Ich bereue keinen Moment, dass ich diesen Schritt gewagt habe.
Mein Kompass für Sinn und Erfüllung
Ich gebe zu: Die Erkenntnis ist einfacher, als der Weg zur Berufung. Jeder braucht eine Art Kompass, um sich orientieren zu können. Ich fand meinen Kompass in zwei sehr hilfreichen Tools, die ich hier gerne empfehle: Ikigai & Life Design.
Ikigai
Ikigai verdient zuallererst die Erwähnung des Ursprungs. Denn in der Form, in der wir Ikigai meist kennenlernen, handelt es sich dann "nur" um das von der westlichen Welt abgeleitete Tool für die Arbeitswelt.
Ikigai (japanisch 生き甲斐) bedeutet frei übersetzt "das, wofür es sich zu leben lohnt" oder "die Freude und das Lebensziel". In Japan hat die Suche nach dem Lebenszweck eine tiefe Bedeutung. Der Begriff tauchte bereits im 14. Jahrhundert auf. In der uns bekannten Form wurde Ikigai im Japan der 1960er-Jahre zum Lifestyle-Boom bei Büchern und Zeitschriften, als der Lebensstandard durch den ökonomischen Aufschwung eine Verbesserung erfuhr.
In Japan ist Ikigai wesentlich tiefgründiger und weniger kapitalistisch als das Konzept, das wir im Westen mit der folgenden Grafik verbinden:

Mir persönlich hat diese Darstellung sehr geholfen. Ich habe mir bei meinen Ideen die vier Schnittpunkte Leidenschaft, Mission, Berufung und Beruf zu Herzen genommen. So konnte ich das, was ich gelernt habe, mit dem verbinden, wofür ich stehe und habe so Tätigkeit, Leidenschaft, Mission, Berufung und "Können" vereint. So bin ich Businesscoach geworden - und so prüfe ich auch meine nächsten Tätigkeiten.
Life Design
Der Begriff hat folgenden Ursprung: In der Psychologie prägte Mark Savickas den Begriff Anfang der 2000er Jahre im Kontext der Career Construction Theory. Sein Ansatz: In einer volatilen Welt können wir unsere Karriere nicht mehr "planen", wir müssen sie aktiv "entwerfen" (designen).
Den breiten Durchbruch schafften die Professoren Bill Burnett und Dave Evans mit dem Bestseller "Designing Your Life". Sie wandten die Methoden des Design Thinking, die normalerweise zur Entwicklung von Produkten wie dem iPhone genutzt werden, auf die menschliche Lebensgestaltung an.
Life Design ist ein iterativer Prozess, bei dem man die Methoden des Designs nutzt, um ein Leben aufzubauen, das zur eigenen Persönlichkeit, den Werten und der aktuellen Lebensphase passt.
Im Kern geht es um drei Säulen:
Radikale Akzeptanz: Du startest dort, wo du gerade stehst, nicht dort wo du gerne wärst oder laut Gesellschaft sein solltest.
Prototyping: Anstatt jahrelang über eine Veränderung nachzudenken, testest du kleine Versionen davon.
Iterative Anpassung: Du passt das Leben laufend an, statt endlos zu planen.
Dabei helfen dir Neugier, Handlungsorientierung, Reframing (Probleme neu bewerten, z.B. "Ich bin zu alt" wird zu "Ich habe wertvolle Erfahrung"), Bewusstsein (den Prozess verstehen und wissen, dass es keine "Die perfekte Lösung" gibt), Zusammenarbeit (Netzwerk und Mentoren).
Life Design fragt also nach dem "Wer willst du sein & wie willst du leben" und verlangt dafür eine aktive und konstruktive Herangehensweise, während die klassische Karriereberatung oft nur nach Berufswünschen fragt und limitierte Möglichkeiten aufzeigen kann.
Erkenntnis
Beide Wege und die ursprüngliche Sinnfrage verlangen Mut zur Veränderung. Aber genau hier findet ehrliche Entwicklung und das wahre Leben statt.
Kommt gerne auf mich zu, wenn ihr mehr erfahren wollt und teilt mir eure Erkenntnisse mit. Das würde mich freuen!
Wenn ihr wissen wollt, ob Selbstständigkeit etwas für euch ist, dann habe ich folgende Kurse im Angebot:
Ich wünsche euch eine erfolg- und erkenntnisreiche Woche!
Herzlich,
Alex Osterberger-Barrett
Businesscoach








